Die Geschichte des Kürbis an Halloween – von Samhain zur Jack O’Lantern

Eine ausgehöhlte Frucht mit einem flackernden Licht darin – kaum ein Symbol steht so sehr für Halloween wie der geschnitzte Kürbis. Doch warum hat sich gerade der Kürbis durchgesetzt, und welche Wege nahm die Tradition, bis sie vor Deiner Haustür landete? Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die keltische Welt des Samhain, in irische Legenden rund um „Stingy Jack“, in die Migration nach Nordamerika und in die Entwicklung moderner Bräuche wie Trick-or-Treat. Aus der einfachen Idee, böse Geister mit Lichtern in der Dunkelheit fernzuhalten, wurde ein kulturelles Phänomen, das Ernte, Aberglaube, Handwerk, Gemeinschaft und Popkultur verbindet. Heute ist der Kürbis mehr als nur Dekoration: Er ist Bühne für kreative Schnitzkunst, Anlass für Feste und Wettbewerbe und ein kulinarischer Allrounder, dessen Fruchtfleisch und Kerne Du sinnvoll weiterverwenden kannst. In dieser Geschichte lernst Du die Stationen kennen – vom Rübenlicht in Irland bis zum orange leuchtenden Symbol des Herbstes – und bekommst zugleich praktisches Hintergrundwissen, um Deine eigene Jack O’Lantern bewusster zu gestalten.

Die Geschichte des Kürbis an Halloween – von Samhain zur Jack O’Lantern

Die Geschichte des Kürbis an Halloween – von Samhain zur Jack O’Lantern

Inhaltsverzeichnis

  1. Samhain: Die keltischen Wurzeln von Halloween
  2. Vom Geisterlicht zur Rübenlaterne
  3. „Stingy Jack“ und die Namensgebung der Jack O’Lantern
  4. Irische Migration: Wie die Tradition nach Amerika kam
  5. Warum der Kürbis die Rübe ablöste
  6. Halloween um 1900: Vom Heischebrauch zum Volksfest
  7. Trick-or-Treat: Guising, Souling und der Gang zur Tür
  8. Der Kürbis in Landwirtschaft und Sortenvielfalt
  9. Rückkehr nach Europa: Deutschland entdeckt Halloween
  10. Medien, Marketing und der Kult ums Orange
  11. Schnitzkunst, Werkzeuge und Sicherheit
  12. Nachhaltigkeit: Fruchtfleisch, Kerne & Zero Waste
  13. Regionale Varianten und Verwandte der Laterne
  14. Feste, Paraden und Riesenkürbis-Events
  15. Bedeutung heute und morgen: Gemeinschaft, Kreativität, Ritual

1. Samhain: Die keltischen Wurzeln von Halloween

Wenn Du die Geschichte des Halloween-Kürbisses verstehen willst, führt kein Weg an Samhain vorbei, dem keltischen Übergangsfest vom Sommer zur dunklen Jahreszeit. Samhain markierte den Abschluss der Ernte, das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres, und galt als Nacht, in der die Grenze zur Anderwelt besonders dünn war. Menschen entzündeten Feuer, um Schutz zu suchen und gute Geister zu ehren, während man böse Mächte mit Lärm, Masken und Lichtern fernzuhalten versuchte. In ländlichen Gegenden wurden glühende Kohlen oder Kerzen in Gefäße gesetzt, die man leicht tragen konnte – ausgehöhlte Rüben, rote Bete oder Mangoldrüben waren dafür praktisch, weil sie verfügbar und formbar waren. Diese Lichter hatten eine doppelte Funktion: Sie dienten als Wegweiser durch die lange Nacht und als apotropäisches Symbol, das Unheil abwehrt. Damit sind die mentalen Grundpfeiler der Jack O’Lantern gelegt: Ernte, Dunkelheit, Übergang und die Idee, dass ein Gesicht mit Licht dahinter Macht hat, Unerwünschtes zu vertreiben und zugleich Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zu zeigen.

2. Vom Geisterlicht zur Rübenlaterne

Aus den rituellen Feuern von Samhain entwickelten sich in Irland und Schottland Geisterlichter, die in der dunklen Jahreszeit Orientierung gaben. Du kannst Dir diese frühen Laternen als pragmatische, handliche „Mini-Feuer“ vorstellen: Man höhlte eine Steckrübe oder eine große Runkelrübe aus, schnitt eine grobe Fratze hinein, setzte eine Kohle oder Kerze hinein und trug die Leuchte über Felder und Wege. Das Gesicht sollte Spukgestalten erschrecken, aber auch Nachbarn signalisieren: Hier bewegt sich jemand „von uns“. In agrarischen Gemeinschaften war die Rübe das Gemüsestück der Wahl – günstig, lagerfähig, allgegenwärtig. Dass man Gesichter schnitzte, war nicht nur Spielerei, sondern hatte eine Bedeutung im Aberglauben: Ein „Augenpaar“ mit Licht dahinter gilt vielen Kulturen als wachsam, schützend, auch drohend. Die Rübenlaterne wurde so zum tragbaren Amulett gegen das Unheimliche. Als die christliche Liturgie den Kalender prägte, legten sich All Hallows’ Eve und Allerseelen über ältere Bräuche: Fackeln und Lichter blieben, aber die Deutung verschob sich hin zu Gedenken und Mildtätigkeit. Damit entstand die lange Linie von der Feldlaterne zum heutigen Kürbisgesicht.

3. „Stingy Jack“ und die Namensgebung der Jack O’Lantern

Die berühmte Legende von „Stingy Jack“ erklärt, warum die Laterne Jack O’Lantern heißt. Vereinfacht erzählt: Jack, ein listiger Trunkenbold, trickste mehrfach den Teufel aus und handelte sich am Ende den Fluch ein, keine Ruhe zu finden – weder im Himmel noch in der Hölle. Für den ewigen Weg bekam er nur eine glühende Kohle, die er in eine ausgehöhlte Rübe setzte. Seitdem wandert Jack als Irrlicht durch die Nacht, und seine Laterne warnt die Lebenden vor Irrwegen. Für Dich wichtig: Geschichten wie diese verankern Bräuche emotional. Der Name gibt dem Objekt – der Laterne – eine Figur, ein Gesicht, eine Moral. So wird aus dem bloßen Werkzeug ein Symbol. Wenn Du heute einem Kürbis eine Fratze gibst, spielst Du ein Stück dieser Erzählung nach: ein Trickster, der mit Licht die Dunkelheit bezwingt, aber auch ein Mahnmal, dass Grenzen – zwischen Welten, Jahreszeiten, Leben und Tod – respektiert gehören. Die Legende verknüpft Volksglauben, Humor und leise Furcht zu einem eingängigen Narrativ, das Kinder fasziniert und Erwachsene an archaische Übergangsrituale erinnert.

4. Irische Migration: Wie die Tradition nach Amerika kam

Im 19. Jahrhundert, besonders zur Zeit der Großen Hungersnot in Irland, wanderten viele Menschen nach Nordamerika aus und nahmen ihre Lichterbräuche mit. In der Neuen Welt trafen sie auf andere Erntefeste, reichere Gemüsevielfalt und die pragmatische Lust, Dinge größer, bunter, öffentlicher zu feiern. Du kannst Dir die Migration als kulturelles „Umtopfen“ vorstellen: Die Wurzeln bleiben, der Boden ändert sich, und die Pflanze – hier: der Brauch – wächst anders weiter. Die Rübenlaterne war bekannt, aber in amerikanischen Gärten fanden die Neuankömmlinge eine Frucht, die wie gemacht war fürs Schnitzen: den Kürbis. In Siedlungen und Städten mischten sich irische, schottische, englische und deutsche Traditionen; aus All Hallows’ Eve wurde „Halloween“, und das Lichtertragen bekam mehr Nachbarschaftscharakter. Zeitungen und Gemeindechroniken berichten bald von maskierten Umzügen, Heischegängen und von „pumpkin lanterns“, die in Fenstern standen. Das Fest wanderte damit vom Feld ins Dorf, auf Veranden und in Vorgärten – dorthin, wo Du heute Deine Laterne platzierst, um den Besuch von Kindern und die sichtbare Zugehörigkeit zum Fest zu signalisieren.

5. Warum der Kürbis die Rübe ablöste

Praktikabilität ist oft der beste Verbündete von Traditionen: Der Kürbis ist voluminös, leicht auszuhöhlen, standfest und innen hohl mit Fasergewebe und Kernen, die sich gut entfernen lassen. Für Dich heißt das: Weniger Kraftaufwand, größere Oberfläche zum Gestalten, bessere Sichtbarkeit der Kerze oder des LED-Lichts. Dazu kommt seine Farbe: Das tiefe Orange wirkt im Herbst warm und strahlt – im Kontrast zu nebligen Abenden – fast wie eine kleine Sonne. In Nordamerika war der Kürbis außerdem ein etabliertes Ernteprodukt mit Sorten, die speziell als „Field Pumpkins“ wuchsen: robust, rund, mit dicken Wänden. Aus Küchensicht bietet der Kürbis einen Bonus: Fruchtfleisch und Kerne sind verwertbar. So entsteht eine geschlossene Erntekultur – Dekoration, Gemeinschaftsritual und Essen greifen ineinander. Die Rübe blieb in Teilen der britischen Inseln lebendig, aber der Kürbis gewann international, weil er Feiern in den öffentlichen Raum trug: große, ausdrucksstarke Gesichter, leichter zu beleuchten, fotogen und massentauglich. Dadurch setzte sich die Jack O’Lantern mit Kürbis als globales Halloween-Icon durch.

6. Halloween um 1900: Vom Heischebrauch zum Volksfest

Um 1900 begannen Vereine, Schulen und Nachbarschaften in den USA, Halloween bewusster zu organisieren. Du kannst Dir das als Übergang vom spontanen Dorfbrauch zur geplanten Gemeinschaftsfeier vorstellen: Es gab Einladungen, kostümierte Bälle, Laternenwettbewerbe und bald auch gedruckte Anleitungen, wie man „richtige“ Kürbisgesichter schnitzt. Postkarten und Magazine verbreiteten Motive – Hexenhüte, Katzen, Monde –, während Haushaltsratgeber erklärten, wie man Kürbissuppe kocht und Kerne röstet. Zunehmend wurde Halloween heiter statt schaurig, familienfreundlich statt gefährlich. Die Laterne am Fenster signalisierte: Hier ist eine Station des Festes, hier seid Ihr willkommen. Diese Formalisierung half, übermäßige Streiche zu zügeln; die Gemeinschaft bot Kindern geregelte Wege, Süßes zu bekommen, und Erwachsenen sichere Räume zum Feiern. Der Kürbis wurde dabei zum Leitmotiv, so selbstverständlich wie der Baum zu Weihnachten: ein Objekt, an dem sich Rituale entzünden, das sich dekorieren lässt und das – im wahrsten Sinne – die Nacht erleuchtet. Aus dem Brauch wuchs ein saisonales Ereignis, das Stadtviertel zusammenschweißt.

7. Trick-or-Treat: Guising, Souling und der Gang zur Tür

Der heutige Haustürbrauch verbindet ältere Linien: Beim Guising verkleideten sich Kinder, trugen Lieder vor und erhielten kleine Gaben; beim Souling verteilte man Seelenkuchen im Gedenken an Verstorbene. In der modernen Form klopfst Du mit Kindern an Türen, sagst „Trick or Treat“ und erhältst Süßigkeiten, während die Kürbislaterne als visuelle Einladung dient. Diese Laterne erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie zeigt an, dass das Haus teilnimmt, sie schafft Stimmung und fungiert als freundlicher Wächter der Schwelle. Psychologisch wirkt das Gesicht beruhigend – es macht die Dunkelheit „begehbar“ und vermittelt: Hier gibt es Regeln, hier ist es sicher. So entsteht ein Ritual der Sozialität: Menschen kommen ins Gespräch, Nachbarschaften strukturieren sich, und Kinder erleben Mut im kleinen Rahmen – kostümiert, aber begleitet, in einer Nacht, die traditionell dem Übergang gehört. Die Jack O’Lantern ist damit Schlüsselrequisite eines choreografierten Heischebrauchs, der Altes respektiert und Neues integriert: Süßes statt Almosen, Kostüme statt Masken, Kürbis statt Rübe.

8. Der Kürbis in Landwirtschaft und Sortenvielfalt

Damit Deine Laterne gelingt, lohnt ein Blick auf Sorten: Klassische Feldkürbisse (oft als „Halloween-Kürbis“ angeboten) haben dicke Schalen, stabile Stiele und eine Geometrie, die das Schnitzen erleichtert. Es gibt Varianten mit länglichem Hals, perfekt für lange Münder, und flachere Typen, die breitere Gesichter ermöglichen. Mini-Kürbisse taugen als Teelichthalter, Riesenkürbisse für Wettbewerbe oder Skulpturen. Landwirtschaftlich ist der Kürbis ein Symbol der Herbstfülle: Er wächst auf warmen, nährstoffreichen Böden, speichert Sonnenenergie in Stärke und Farbe, und seine Kerne liefern wertvolles Öl. Für Dich heißt das: Wer regional einkauft, unterstützt kurze Wege und bekommt oft stabilere Früchte, die reif geerntet wurden. Achte auf harten Stiel, matte, unbeschädigte Schale und satten Klang beim Klopfen – das deutet auf gute Lagerfähigkeit hin. Je nach Sorte variieren Aroma und Textur des Fruchtfleischs: Manche sind ideal zum Backen, andere für Suppe. So verbindet der Laternenkürbis Dekor und Küche, Feld und Tisch – ein Kreislauf, der Halloween bodenständig macht.

9. Rückkehr nach Europa: Deutschland entdeckt Halloween

In Deutschland wurde Halloween ab den 1990er-Jahren sichtbarer, getragen von Medien, Handel und der Lust an saisonalen Festen. Du hast es sicher erlebt: Kostüme in Schaufenstern, Kürbisberge auf Märkten, Motto-Partys in Kitas und Schulen. Der Kürbis half bei der Übersetzung des Brauchs in hiesige Kontexte, weil er an Erntedank anknüpft und visuell sofort Herbst signalisiert. Anfangs skeptisch beäugt, etablierte sich der Brauch dort, wo Nachbarschaften ihn mit Leben füllten: beleuchtete Eingänge, ausgehöhlte Fratzen, Kinder, die in Gruppen ziehen. Die Laterne wirkt dabei wie ein Piktogramm: unkompliziert, freundlich, einladend. Dass viele Regionen ohnehin Kürbiswochen, Märkte und Kochfeste kennen, erleichterte die Integration. Heute findest Du neben klassischen Gesichtern auch kunstvolle Schnitzereien, geschnitzte Schriftzüge oder Stapel aus mehreren Früchten, die wie Totempfähle leuchten. Der Brauch ist dabei offen genug, um lokale Akzente aufzunehmen – vom Kürbisschnitzen im Verein bis zur stillen Deko auf der Fensterbank – und so Teil einer europäischen Herbstkultur zu werden.

10. Medien, Marketing und der Kult ums Orange

Ohne Medien gäbe es keinen globalen Kürbiskult: Filme, Serien, Illustrationen und Werbekampagnen haben das Orange zum Markenzeichen des Oktobers gemacht. Du kennst die Bildsprache: Nebel, Mond, Silhouetten – mittendrin die Jack O’Lantern, manchmal freundlich, manchmal grimmig. Der Handel schafft passende Angebote, von Schnitzsets über LED-Lichter bis hin zu Backmischungen und Gewürzmischungen, die Kürbisaroma feiern. Social Media verstärkt den Trend: Wettbewerbe um das kreativste Gesicht, Anleitungen für 3D-Schnitztechniken, Reels voller Tipps. Das hat zwei Effekte: Einerseits wächst die technische Qualität – Du findest inspirierende Vorlagen und Werkzeuge –, andererseits droht der Brauch zu einem bloßen Konsummoment zu schrumpfen. Hier hilft Bewusstsein: Wenn Du Deine Laterne als Ausdruck von Gemeinschaft und Geschichte begreifst, gibst Du dem Ritual Tiefe. Setze auf langlebige Werkzeuge, natürliche Dekoration und echte Begegnungen. So bleibt der Kürbis mehr als ein Fotomotiv: ein Medium, das Jahreszeiten fühlbar macht und Nachbarschaft sichtbar werden lässt.

11. Schnitzkunst, Werkzeuge und Sicherheit

Die Kunst der Jack O’Lantern beginnt mit Auswahl und Planung: Wähle einen festen, standstabilen Kürbis, zeichne Dein Motiv mit abwaschbarem Stift vor und arbeite Dich von großen zu kleinen Details vor. Du brauchst ein scharfes, aber kontrollierbares Messer oder spezielle Sägen, einen stabilen Löffel oder Schaber zum Aushöhlen und eventuell Bohrer oder Stechwerkzeug für Punkteffekte. Für Dich entscheidend ist die Beleuchtung: Teelichte erzeugen warmes Flackern, LED-Lichter sind sicherer, stromsparend und windfest. Achte auf Belüftungslöcher, damit Kerzen nicht erlöschen und sich keine Hitze staut. Stelle die Laterne auf feuerfeste Unterlagen, halte Abstand zu Vorhängen und trockenem Laub und sichere sie gegen Umkippen. Für lange Haltbarkeit helfen sauberes Arbeiten, trockene Innenflächen und ein kühler Standort. Du kannst die Ränder dünn mit etwas Öl bestreichen oder konservierende Lösungen testen; trotzdem ist der Kürbis vergänglich – und genau das macht seinen Charme aus: ein Licht für die Übergangszeit, das Du bewusst erschaffst und das mit der Saison wieder verschwindet.

12. Nachhaltigkeit: Fruchtfleisch, Kerne & Zero Waste

Damit Halloween nicht zur Wegwerf-Show wird, nutzt Du den Kürbis komplett. Hebe beim Aushöhlen das Fruchtfleisch auf: Es wandert in Suppen, Currys, Brote oder in süße Kuchen. Entferne die Kerne, wasche sie und röste sie im Ofen – als Snack oder Topping sind sie nussig und voller wertvoller Fette. Die Fäden kannst Du pürieren und in Saucen einarbeiten. Wenn die Laterne ausgedient hat, kommt sie auf den Kompost oder – wenn sauber und frei von Wachs – in die Biotonne. Vermeide Kunststoffdeko mit kurzer Lebensdauer; natürliche Materialien wie Stroh, Blätter, Holz und Stoffbänder setzen schöne Akzente und sind am Ende gut zu recyceln. Auch bei der Beleuchtung hast Du die Wahl: LED-Lichter sparen Energie, Kerzen aus Bienen- oder Sojawachs sind eine Alternative zu Paraffin. Kauf regional, wenn möglich bio – dann unterstützt Du Anbauformen, die Boden und Biodiversität schonen. So schließt sich der Kreis: Aus der Ernte kommt die Laterne, aus der Laterne kommt ein Essen, aus den Resten wird wieder Boden, der Neues wachsen lässt.

13. Regionale Varianten und Verwandte der Laterne

Die Jack O’Lantern ist Teil einer breiten Familie von Herbstlichtern. In Irland und Teilen Schottlands leben Rübenlaternen fort, in der Schweiz und im süddeutschen Raum kennst Du Räbeliechtli-Umzüge mit ausgehöhlten Rüben – verwandt, aber mit eigenem Kalender und Ton. In England wurden Mangoldrüben geschnitzt; in Teilen Osteuropas finden sich Lichterbräuche rund um Allerheiligen mit Kerzen auf Gräbern. Auch jenseits Europas gibt es Parallelen: In Mexiko leuchten Altäre zum Día de los Muertos – ein anderes, aber thematisch verwandtes Gedenken, das die Grenze zwischen den Welten würdigt. Der Kürbis ist damit nicht Monopolist, sondern prominenter Vertreter einer universellen Idee: Licht als Zeichen von Erinnerung, Schutz und Gemeinschaft. Wenn Du Deine Laterne schnitzt, stellst Du Dich in diese Reihe – nicht, um andere Bräuche zu verdrängen, sondern um den gemeinsamen Nenner zu feiern: den respektvollen Umgang mit Übergängen. Das hilft, kulturelle Aneignung zu vermeiden und stattdessen kulturellen Austausch zu fördern, bei dem Vielfalt sichtbar und geschätzt wird.

14. Feste, Paraden und Riesenkürbis-Events

Rund um den Kürbis hat sich eine lebendige Festkultur entwickelt: Ernte- und Kürbisfeste, Stadtparaden, Wettbewerbe im Schnitzen und im Züchten von Riesenkürbissen, die hunderte Kilo wiegen. Für Dich sind solche Events Inspirationsquellen: Du siehst neue Techniken, lernst von Profis, entdeckst lokale Sorten und probierst Speisen von der Suppe bis zum Pie. Viele Gemeinden verbinden die Feiern mit Wohltätigkeit – der Verkauf von Speisen unterstützt Vereine, das Eintrittsgeld finanziert Spielplätze oder Kulturprojekte. Die Laternen selbst werden oft in Installationen präsentiert: ganze Alleen aus leuchtenden Gesichtern, thematisch kuratierte Ausstellungen, manchmal mit Musik und Erzählungen. Diese Öffentlichkeit gibt Halloween Würde und Wärme, besonders wenn Familien mitmachen und Nachbarschaften gemeinsam gestalten. Gleichzeitig erinnert der Riesenkürbis an die landwirtschaftliche Grundlage: Ohne Felder, Gärtnerinnen und Gärtner gäbe es keine Bühne für das Licht. So trägt jedes Fest die Botschaft in sich, die Du mit nach Hause nimmst: Feier die Ernte, teile das Licht, und mach die dunklen Wochen zu einer Zeit, in der man sich sieht.

15. Bedeutung heute und morgen: Gemeinschaft, Kreativität, Ritual

Was bleibt, wenn das Licht erloschen ist und die Schale schrumpft? Für Dich bleibt die Erfahrung, mit einfachen Mitteln Sinn zu stiften: eine Frucht, ein Messer, ein Motiv, ein Licht – mehr braucht es nicht, um einen Ort einladender zu machen. Die Jack O’Lantern ist kein bloßes Dekoobjekt, sondern ein Ritualwerkzeug, das Dir hilft, den Jahreswechsel zu begehen, Angst spielerisch zu zähmen und Gemeinschaft sichtbar zu machen. In einer digitalen Welt wirkt die händische Arbeit fast meditativ: Du planst, schnitzt, leerst, putzt, entzündest – und teilst. Künftig werden nachhaltige Materialien, regionale Sorten, wiederverwendbare Tools und kreative Kooperationen den Brauch prägen. Vielleicht kennst Du bald Nachbarschaftsworkshops, in denen Kinder Motive entwerfen, Erwachsene Techniken zeigen und am Ende ein Lichterpfad durch die Straße führt. So erfindet sich der Kürbis immer neu, bleibt aber seinem Kern treu: ein warmes, waches Gesicht im Herbst, das sagt – komm näher, hier bist Du sicher, hier gehört Dein Lachen hin.

Tabelle: Zeitleiste und Motive rund um Kürbis & Halloween

Zeitraum/Epoche Region Material/Laterne Kernidee Typische Elemente
Vorchristliche Zeit (Samhain) Kelten (Irland/Schottland) Fackeln, Glut, einfache Gefäße Schutz & Übergang Feuer, Masken, Lärm
Mittelalter Britische Inseln Rübenlaternen Abwehr des Bösen, Weglicht Grobe Fratzen, Kohle/ Kerze
Christliche Überlagerung Europa Lichter zu All Hallows’/Allerseelen Gedenken & Mildtätigkeit Souling, Gebete, Lichter
18.–19. Jh. Irland/Schottland Rübenlaternen Volksbrauch im Herbst Guising, Umzüge
19. Jh. Migration Nordamerika Rübe → Kürbis Anpassung an neue Umwelt Größere Früchte, Nachbarschaft
Um 1900 USA Kürbislaterne Gemeinschaft & Festkultur Vereine, Karten, Rezepte
1930er–1950er USA/Kanada Kürbislaterne Trick-or-Treat etabliert Kostüme, Haustürbesuch
Späte 20. Jh. Europa (u. a. Deutschland) Kürbislaterne Re-Import des Brauchs Märkte, Partys, Schulen
Heute Global Kürbislaterne, LED Kreativität & Sicherheit Vorlagen, Social Media
Morgen Global Regional, nachhaltig Gemeinschaft & Zero Waste Workshops, lokale Sorten

Wenn Du jetzt Deinen Kürbis schnitzt, tust Du mehr, als nur Deko zu basteln: Du knüpfst an eine alte Idee an – Licht gegen Dunkelheit – und schreibst sie als Nachbarschaftsgeschichte fort.

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