Kann man von zu viel Karotten eine orangene Haut bekommen?

Du hast sicher schon einmal gehört, dass Karotten gut für Deine Sehkraft sind, weil sie Beta-Carotin enthalten. Doch was ist dran an dem Gerücht, dass Deine Haut sich orange verfärben kann, wenn Du zu viele Karotten isst? Tatsächlich steckt ein Fünkchen Wahrheit darin, denn unter bestimmten Bedingungen kann sich ein Hautphänomen namens Karotinämie zeigen. Wie genau das passiert, welche Ursachen dahinterstecken und ob es wirklich gefährlich wird, erfährst Du in den kommenden Absätzen. Außerdem schauen wir uns an, wie verbreitet dieses Phänomen ist, welche anderen Lebensmittel es noch auslösen können und was Du bei einer karotinhaltigen Ernährungsweise beachten solltest.

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Kann man von zu viel Karotten eine orangene Haut bekommen?

Inhaltsverzeichnis

  1. Was haben Karotten mit der Hautfarbe zu tun?
  2. Das Phänomen Karotinämie
  3. Warum Karotten so viel Beta-Carotin enthalten
  4. Karotten und andere farbige Lebensmittel
  5. Tabelle: Beta-Carotin-Gehalt ausgewählter Lebensmittel
  6. Gesundheitliche Auswirkungen einer karotinhaltigen Ernährung
  7. Wie viel Karotte ist zu viel?
  8. Wann Du aufpassen solltest
  9. Tipps für eine ausgewogene Ernährungsweise
  10. Fazit

1. Was haben Karotten mit der Hautfarbe zu tun?

Du kennst Karotten sicher als knackiges Gemüse, das Du roh, gekocht oder in Säften verwenden kannst. Die leuchtend orange Farbe stammt von Beta-Carotin, einem sekundären Pflanzenstoff, der zur Gruppe der Carotinoide gehört. Beta-Carotin ist die Vorstufe von Vitamin A und spielt eine wesentliche Rolle für Deine Sehfähigkeit, Dein Zellwachstum und Dein Immunsystem. Doch dieser Stoff kann auch in Deine Haut eingelagert werden, vor allem dann, wenn Du davon besonders große Mengen zu Dir nimmst.
Die Einlagerung geschieht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich allmählich. Wenn Du täglich oder über einen längeren Zeitraum hinweg auffallend viele Karotten isst – oder andere Lebensmittel mit hohem Beta-Carotin-Gehalt – kann es sein, dass Deine Haut mit einem leichten Orange- bis Gelbstich reagiert. Häufig fällt das zuerst an Handflächen und Fußsohlen auf. Du musst Dich jedoch meist nicht sorgen, denn das Phänomen ist in den meisten Fällen ungefährlich.

2. Das Phänomen Karotinämie

Der Fachbegriff für orange Haut durch zu viel Beta-Carotin lautet Karotinämie oder auch Carotinämie. Sie entsteht, wenn Dein Körper mehr Carotinoide aufnimmt, als er verwerten oder abbauen kann. Beta-Carotin selbst ist eine fettlösliche Substanz, die gerne in Deinem Fettgewebe „geparkt“ wird. Isst Du also kontinuierlich größere Mengen karotinhaltiger Lebensmittel, sammelt sich das Beta-Carotin in Deinem Körper an.
Der Überschuss zeigt sich meistens zuerst an den Stellen, die sehr gut durchblutet sind oder eine dünnere Hautschicht aufweisen, also etwa an den Handinnenflächen, Fußsohlen oder auch in den Falten von Ellbogen und Knien. Das kann Dir möglicherweise einen leichten Schreck versetzen, wenn Du spontan denkst, Du hättest Gelbsucht oder eine andere Erkrankung. Tatsächlich ist die Karotinämie jedoch harmlos, solange sie nicht auf eine sehr einseitige Ernährungsweise zurückzuführen ist, die auch andere Mangelerscheinungen nach sich zieht. Sollte Dir solch eine Verfärbung auffallen, kannst Du den Konsum von Karotten & Co. reduzieren und beobachten, ob sich die Farbe normalisiert.

3. Warum Karotten so viel Beta-Carotin enthalten

Karotten (Daucus carota) zählen zu den beliebtesten Wurzelgemüsen überhaupt. Ihr Erfolg ist nicht zuletzt auf ihre intensive Farbe zurückzuführen. Beta-Carotin dient der Pflanze im Grunde als Schutzstoff, der Lichtenergie absorbieren und schädliche Reaktionen verhindern kann. Für Dich als Mensch ist dieser Farbstoff wertvoll, weil Dein Körper daraus Vitamin A herstellen kann.
Es gibt verschiedene Karottensorten mit unterschiedlichem Gehalt an Beta-Carotin. Einige Spezialzüchtungen sind besonders reich an Carotinoiden, was Du direkt an ihrer intensiven Farbe erkennst. Andere Möhrentypen, zum Beispiel solche, die eher gelb oder violett sind, enthalten vielleicht andere Pflanzenstoffe in stärkerer Ausprägung. Aber auch sie können interessante gesundheitliche Effekte haben. In jedem Fall bleibt Beta-Carotin das Markenzeichen der klassischen orangefarbenen Karotte, weshalb Du sie als fast schon synonym für diesen Nährstoff bezeichnen könntest.

4. Karotten und andere farbige Lebensmittel

Neben Karotten gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Gemüsesorten und Früchte, die beachtliche Mengen an Beta-Carotin oder verwandten Carotinoiden liefern. Dazu gehören Kürbis, Süßkartoffeln, Paprika, Spinat und Grünkohl. Ebenso findest Du in Aprikosen, Mango und Papayas dieselbe Art von Pigmenten. Isst Du also viel von diesen Lebensmitteln, kannst Du Deinen Carotin-Spiegel rasch erhöhen.
Das bedeutet aber auch, dass nicht nur Karotten für eine leicht orange Haut sorgen können. Theoretisch könnten Süßkartoffeln oder Kürbis ähnliche Effekte auslösen. Allerdings erweist sich die Karotte in der Praxis als häufigster „Übeltäter“, weil sie oft roh verzehrt wird und sich als Snack oder in Säften schnell in großen Mengen ansammelt. Wenn Du etwa täglich einen halben Liter Karottensaft trinkst, läufst Du eher Gefahr, eine Karotinämie zu bekommen, als wenn Du ab und zu ein Süßkartoffelgericht isst.

5. Tabelle: Beta-Carotin-Gehalt ausgewählter Lebensmittel

Lebensmittel Ca. Gehalt an Beta-Carotin (µg pro 100 g) Anmerkungen
Karotten 8.000 – 10.000 Sehr hoher Wert, Sortenabhängig
Süßkartoffeln 8.500 – 9.000 Variantenabhängig, ähnlich Karotte
Grünkohl 5.000 – 7.000 Intensive grüne Farbe, hoher Vitamingehalt
Spinat 4.000 – 6.000 Liefert auch Eisen und andere Nährstoffe
Kürbis (Hokkaido) 2.000 – 3.000 Kommt auf Sorte an, intensives Orange
Paprika (rot) 1.500 – 2.500 Farbintensive Sorten oft reicher
Aprikosen 1.500 – 2.000 Getrocknet oft höhere Konzentration
Mango 1.000 – 1.500 Süß und saftig, variable Werte
Papaya 1.000 – 1.200 Enthält zudem Papain und andere Enzyme

Bitte beachte, dass diese Werte stark variieren können. Anbau, Reifegrad und Verarbeitung beeinflussen den Gehalt an Beta-Carotin.

6. Gesundheitliche Auswirkungen einer karotinhaltigen Ernährung

Beta-Carotin ist nicht nur ein Farbstoff, sondern hat auch einige positive Effekte auf Deine Gesundheit. Du kannst es als Antioxidans betrachten, das freie Radikale im Körper abfängt und Deine Zellen vor Schäden schützt. Außerdem profitiert Dein Immunsystem, da Beta-Carotin zur Bildung von Vitamin A beiträgt, das für die Schleimhäute, Sehkraft und Zellteilung wichtig ist.
Trotzdem solltest Du nicht unbegrenzt viel davon aufnehmen, in der Hoffnung, immer mehr Nutzen zu ziehen. Denn Dein Körper kann nur eine gewisse Menge an Beta-Carotin in Vitamin A umwandeln. Ist dieser Bedarf gedeckt, lagert sich der Farbstoff unter Umständen in Deinem Gewebe ein, was im Extremfall zur bekannten Karotinämie führt. Diese wiederum ist nicht prinzipiell ungesund, kann aber ein Signal sein, dass Du über das Ziel hinausgeschossen bist oder Deine Ernährung vielleicht zu einseitig gestaltet hast.

7. Wie viel Karotte ist zu viel?

Die Frage, ab welcher Menge Deine Haut tatsächlich orange wird, ist schwierig zu beantworten, weil jede Person unterschiedlich reagiert. Manche Menschen merken schon Veränderungen, wenn sie über Wochen hinweg täglich zwei bis drei Gläser Karottensaft trinken. Andere scheinen regelrecht immun gegen eine Hautverfärbung, obwohl sie ebenfalls reichlich Karotten verspeisen.
Ein Grund dafür ist der individuelle Stoffwechsel. Außerdem schwankt der Beta-Carotin-Gehalt der Karotten je nach Sorte. Als grobe Faustregel könntest Du sagen: Wenn Du mehr als 0,5 Liter Karottensaft am Tag zu Dir nimmst oder jeden Tag mehrere große Karotten isst, steigerst Du deutlich die Chance, eine leichte Gelb- bis Orangefärbung Deiner Haut zu bemerken. Das kann auch mit dem Gesamtprofil Deiner Ernährung zusammenhängen: Nimmst Du zusätzlich noch andere carotinoidreiche Lebensmittel zu Dir, summiert sich das schnell.

8. Wann Du aufpassen solltest

Die gute Nachricht lautet: Eine orangene Haut durch Beta-Carotin an sich ist in den meisten Fällen ungefährlich und reversibel. Sobald Du Deine Karotten- und Beta-Carotin-Zufuhr reduzierst, bildet sich die Färbung nach und nach zurück. Dennoch gibt es Situationen, in denen Du aufmerksam sein solltest. Wenn Dir ein Gelb- oder Orangestich in Deinem Gesicht auffällt, könnte es theoretisch auch auf Erkrankungen wie Gelbsucht (Ikterus) hindeuten. Dabei färben sich vor allem das Weiße Deiner Augen und die Haut gelb. In diesem Fall solltest Du unverzüglich ärztlichen Rat einholen, denn eine Gelbsucht kann auf Leber- oder Gallenprobleme hindeuten.
Ist hingegen nur die Haut oranger, besonders an Handinnenflächen und Fußsohlen, und Du weißt, dass Du viel Karottensaft oder Ähnliches konsumiert hast, liegt die Diagnose Karotinämie nahe. Ärztliche Untersuchungen können das schnell klären. Dann hilft es meistens, einfach etwas weniger Beta-Carotin-haltige Lebensmittel zu essen oder zu trinken. Ein kompletter Verzicht ist in der Regel nicht nötig, sofern Du dich nicht unwohl fühlst.

9. Tipps für eine ausgewogene Ernährungsweise

Um von den Vorteilen von Karotten und anderen Gemüsen zu profitieren, musst Du sie nicht vom Speiseplan streichen. Beta-Carotin ist durchaus wünschenswert, solange Du es nicht übertreibst. Wenn Du gern Karotten oder Karottensaft konsumierst, achte auf Abwechslung in Deiner Ernährung. Kombiniere karotinhaltige Lebensmittel mit solchen, die andere Nährstoffe liefern. So bleibt Deine Nährstoffzufuhr im Gleichgewicht.
Eine große Rolle spielt auch die Zubereitung. Beta-Carotin ist fettlöslich, daher absorbiert Dein Körper es besser, wenn Du etwas Fett hinzufügst – etwa ein Teelöffel Öl im Karottensaft oder beim Kochen. Denk aber auch daran, dass Du nicht nur Karotten, sondern auch viele andere bunte Obst- und Gemüsesorten nutzen kannst. Vielfältige Farben auf dem Teller bedeuten meistens eine breite Palette an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen.

10. Fazit

Zusammenfassend kann man festhalten: Ja, es ist tatsächlich möglich, von einem übermäßigen Konsum von Karotten oder anderen hoch karotinhaltigen Lebensmitteln eine orangene Haut zu bekommen – das Phänomen heißt Karotinämie. Aber keine Sorge, die Verfärbung ist in den meisten Fällen harmlos und verschwindet, sobald Du Deine Aufnahme reduzierst.
Karotten an sich bleiben ein äußerst gesundes und empfehlenswertes Gemüse, reich an Beta-Carotin, Ballaststoffen und anderen wichtigen Nährstoffen. Solange Du Dich ausgewogen ernährst und nicht exzessiv Karottensaft trinkst, musst Du keine Angst haben, zur „Orange Lady“ oder zum „Orange Man“ zu werden. Wenn Du allerdings bemerkst, dass Deine Haut sich verfärbt, ist das ein Hinweis, dass Du es vielleicht etwas übertrieben hast. Dann genügt es in der Regel, den Konsum zu drosseln und zusätzlich auf andere Gemüse- und Obstarten zurückzugreifen, damit Dein Körper alle Stoffe bekommt, die er braucht – und Deine Hautfarbe wieder ins Normalmaß zurückkehrt.

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