Pilzvergiftung: Was Du bei Verdacht sofort tun solltest

Ein Abend mit selbst gesammelten Pilzen kann wunderschön sein – bis Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Halluzinationen einsetzen und der Verdacht einer Pilzvergiftung im Raum steht. In dieser Situation zählt jede Minute, denn manche Gifte verursachen erst harmlos wirkende Magen-Darm-Beschwerden und führen Stunden später zu schweren Leber- oder Nierenschäden. Du brauchst jetzt klare Schritte: Symptome richtig deuten, den Giftnotruf kontaktieren, keine riskanten Hausmittel anwenden, Beweismaterial sichern und medizinische Hilfe einleiten. Dieser Leitfaden erklärt Dir kompakt und praxisnah, was Du in den ersten Minuten, auf dem Weg in die Klinik und in den Tagen danach beachten solltest – inklusive einer Checkliste und einer Tabelle mit typischen Syndromen. Wichtig: Dies ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei ernstem Verdacht, starken Beschwerden, bei Kindern, Schwangeren, älteren Personen oder Vorerkrankungen gilt immer: sofort 112 wählen oder den regionalen Giftnotruf kontaktieren. Ruhig bleiben, strukturiert handeln und gezielt Informationen liefern – so gibst Du Ärztinnen und Ärzten die beste Ausgangsbasis, um schnell das Richtige zu tun.

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Pilzvergiftung: Was Du bei Verdacht sofort tun solltest

Inhaltsverzeichnis

  1. Alarmzeichen erkennen – wann es ernst ist
  2. Sofortmaßnahmen: 112/Giftnotruf, was jetzt zuerst zählt
  3. Bis Hilfe da ist: richtig handeln, Risiken vermeiden
  4. Diese Infos braucht der Giftnotruf
  5. Besonders verletzliche Gruppen
  6. Häufige Pilzvergiftungs-Syndrome im Überblick
  7. Apps, Mythen und gefährliche Irrtümer
  8. Aktivkohle, Erbrechen & Co.: was Laien lassen sollten
  9. In der Klinik: Diagnostik und Behandlung
  10. Nachsorge: worauf Du Tage später achten musst
  11. Prävention beim Sammeln, Lagern und Zubereiten
  12. Deine Notfall-Checkliste für die Zukunft

1. Alarmzeichen erkennen – wann es ernst ist

Typische Frühzeichen einer Pilzvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, wässriger oder blutiger Durchfall, Bauchkrämpfe, starker Schweiß, Speichelfluss, Schwindel, Benommenheit, Pupillenverengung oder -erweiterung, Herzrasen, Blutdruckabfall, Halluzinationen sowie Gelbfärbung der Haut oder dunkler Urin in den Folgetagen; besonders gefährlich ist eine lange Latenz zwischen Essen und Beschwerden (z. B. >6–8 Stunden), denn sie kann auf leber- oder nierenschädigende Toxine hindeuten. Wenn mehrere Personen dieselbe Speise gegessen haben und ähnliche Symptome zeigen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Vergiftung. Ernst ist es auch, wenn Kinder betroffen sind, wenn zusätzlich Alkohol getrunken wurde (Coprinsyndrom), wenn neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auftreten oder wenn das Erbrechen nicht beherrschbar ist. Warte bei solchen Konstellationen nicht „erst mal ab“ – rufe den Notruf 112 oder den Giftnotruf an. Je früher professionelle Hilfe eingebunden ist, desto besser sind die Chancen, schwere Organschäden zu verhindern.

2. Sofortmaßnahmen: 112/Giftnotruf, was jetzt zuerst zählt

Rufe bei schweren Symptomen, ausgeprägter Schwäche, Bewusstseinsstörungen, Blut im Stuhl/Erbrochenem, starker Dehydratation, bei Kindern, Schwangeren und älteren Personen sofort 112; ansonsten kontaktiere umgehend den regionalen Giftnotruf und folge den Anweisungen. Sichere Beweise: Hebe Pilzreste, Putzabfälle, Erbrochenes (in sauberem Beutel), Verpackungen, Fotos vom Sammelort und – falls vorhanden – unbearbeitete Pilze auf; notiere Zeitpunkte von Mahlzeit und Symptombeginn. Nicht: Erbrechen erzwingen, Alkohol oder Milch „zur Neutralisation“ geben, eigenmächtig Abführ- oder Hausmittel einsetzen. Doch: Person beruhigen, bei Bewusstseinsstörungen stabile Seitenlage, Atmung prüfen, beengende Kleidung lockern, kleine Schlucke stilles Wasser nur bei vollem Bewusstsein. Fahre nicht selbst, wenn Dir schwindlig ist; organisiere Transport oder warte auf den Rettungsdienst. Halte Telefon frei, damit Dich Klinik oder Giftnotruf zurückrufen können. Durch planvolles Handeln vermeidest Du Verzögerungen und reduzierst Folgeschäden.

3. Bis Hilfe da ist: richtig handeln, Risiken vermeiden

Bleibe ruhig und strukturiert: Lüfte den Raum, reguliere die Temperatur, lege die betroffene Person bequem mit leicht erhöhtem Oberkörper ab, halte eine Schüssel bereit, dokumentiere Erbrechen und Durchfall (Häufigkeit, Aussehen) und kontrolliere Puls, Atmung und Bewusstsein. Reiche nur kleine Schlucke Wasser oder Elektrolytlösung, wenn kein Erstickungsrisiko besteht; vermeide kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee und Alkohol. Keine feste Nahrung geben, bis ärztlich erlaubt. Hat die Person Zahnprothesen oder enge Kleidung, entferne oder lockere sie behutsam. Schirme Betroffene vor grellem Licht und Lärm, wenn neurologische Symptome bestehen. Halte Kinder von Pilzresten fern. Bereite die Übergabe vor: Packe Pilzreste, Proben und Notizen in eine Tüte, nehme Ausweis, Medikamentenliste, Vorerkrankungen, Allergien und – falls vorhanden – Impfpass und Versichertenkarte mit. Wenn mehrere Personen gegessen haben, sollten alle mit in die Beurteilung einbezogen werden; auch Beschwerdefreie gehören beobachtet, denn manche Toxine wirken verzögert.

4. Diese Infos braucht der Giftnotruf

Damit Fachleute rasch entscheiden können, sind präzise Angaben Gold wert: Wer ist betroffen (Alter, Gewicht, Schwangerschaft, Vorerkrankungen, Medikamente wie Blutverdünner, Antiepileptika, Antidiabetika)? Was wurde gegessen (Art der Pilze – falls bekannt –, roh oder gekocht, Sammelort, Zubereitung, Menge, Mischgericht)? Wann wurde gegessen und wann begannen die Symptome (Minuten/Stunden angeben)? Welche Beschwerden bestehen genau (Magen-Darm, neurologisch, Kreislauf, Fieber, Gelbfärbung, dunkler Urin, reduzierte Urinmenge)? Haben mehrere Personen mitgegessen und ähnliche Symptome? Wurde Alkohol getrunken? Gibt es Fotos oder Pilzreste? Wurde bereits etwas unternommen (Medikamente, Hausmittel, Aktivkohle)? Je strukturierter Du diese Informationen lieferst, desto gezielter können Giftnotruf und Rettungsdienst handeln – etwa, ob eine sofortige Klinikeinweisung, Beobachtung, Labordiagnostik oder bestimmte Gegenmaßnahmen wie Aktivkohle, Antidot-Gaben oder Flüssigkeitstherapie sinnvoll sind.

5. Besonders verletzliche Gruppen

Bei Kindern führen geringere Mengen schneller zu schweren Verläufen; rufe daher bei jedem Verdacht sofort 112 oder den Giftnotruf. Schwangere sollten konsequent frühzeitig vorgestellt werden, da einige Toxine (z. B. Amatoxine) systemisch wirken und Risiken für Mutter und Fötus bergen. Ältere Menschen, Personen mit Leber- oder Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes, Immunsuppression oder Einnahme hepatotoxischer Medikamente brauchen niedrige Schwellen für eine Klinikeinweisung. Auch bei neuropsychiatrischen Symptomen (starke Unruhe, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen) gilt höchste Dringlichkeit. Bei Kindern und vulnerablen Personen gilt zudem: keine Selbsttherapie mit Aktivkohle ohne ärztliche Anweisung, keine induzierten Brechversuche, keine „Gegenmittel“ aus dem Internet. Je früher professionelle Maßnahmen starten, desto eher lassen sich irreparable Organschäden vermeiden – und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich wird.

6. Häufige Pilzvergiftungs-Syndrome im Überblick

Zur groben Orientierung (keine Selbstdiagnose!): Amatoxinsyndrom (z. B. Grüner Knollenblätterpilz): Latenz 6–24 h, initial starke Magen-Darm-Beschwerden, scheinbare Besserung, dann Leberversagen; höchste Dringlichkeit. Gyromitrasyndrom (Frühjahrslorcheln): Latenz 6–12 h, Übelkeit, Schwindel, Krämpfe, Leberbeteiligung. Orellaninsyndrom (Schleierlinge): lange Latenz 2–7 Tage, kaum frühe Symptome, später Nierenschäden mit Durst, Flankenschmerz, Oligurie. Muscarin-Syndrom (Trichterlinge, Risspilze): früh, Speichelfluss, Schweiß, Tränen, Bauchkrämpfe, Bradykardie. Ibotensäure/Muscimol (Fliegen-/Pantherpilz): früh neuropsychiatrisch, wechselnd zwischen Erregung und Benommenheit. Coprinsyndrom (Tintlinge + Alkohol): Gesichtsröte, Herzklopfen, Blutdruckabfall bei Alkoholzufuhr. Gastrointestinale Reizpilze (z. B. Gallenröhrling ungeeignet, Bitterlinge): frühe Übelkeit/Erbrechen ohne Organschaden, dennoch Abklärung nötig. Hämolysesyndrom (z. B. Kahler Krempling/Paxillus): immunologisch getriggert, potenziell schwer. Diese Vielfalt zeigt, warum professionelle Einschätzung unverzichtbar ist – denn Latenz und Symptomkombination steuern Diagnostik und Therapie.

7. Apps, Mythen und gefährliche Irrtümer

Bilderkennungs-Apps können Pilze verwechseln; kleine Perspektiv-, Licht- oder Reifestufendifferenzen reichen, um giftige Arten als „essbar“ auszugeben. Verlasse Dich nie allein auf Apps oder Social-Media-Gruppen. Ebenso falsch: „Silberlöffel wird schwarz = giftig“, „Schnecken fressen nur ungiftige Pilze“, „Bitter = ungenießbar, aber harmlos“, „Milch neutralisiert Gift“, „Lang kochen macht alles essbar“. Manche Gifte sind hitzestabil (z. B. Amatoxine), andere wirken trotz Trocknung. Auch „Probieren in kleinen Mengen“ ist riskant, weil toxische Dosen niedrig sein können. Wer Pilze sammelt, sollte sichere Arten wirklich lernen, idealerweise in Kursen und mit geprüften Pilzsachverständigen; im Zweifel Pilze getrennt aufbewahren und unklare Funde konsequent entsorgen. Bei Unsicherheit gilt: nicht essen, nicht experimentieren, sondern fachlich abklären lassen. Ein einziger Fehler kann nachhaltige Organschäden verursachen – Mythen sind keine Rettungsleine, sondern ein gefährlicher Stolperdraht.

8. Aktivkohle, Erbrechen & Co.: was Laien lassen sollten

Aktivkohle kann Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt binden, ist aber nicht universell wirksam und birgt Risiken (Aspirationsgefahr bei Benommenheit, Wechselwirkungen mit Medikamenten). Sie sollte nur nach Rücksprache mit Giftnotruf oder medizinischem Personal gegeben werden, meist in definierten Dosen und Zeitfenstern. Erbrechen nicht selbst herbeiführen: Aspiration kann lebensbedrohlich sein, und bei ätzenden oder rasch resorbierten Toxinen verschlechtert es die Lage. Abführmittel, Milch, Kaffee, Alkohol oder „Gegengifte“ aus dem Netz sind tabu. Was erlaubt ist: Bei vollem Bewusstsein kleine Schlucke Wasser/Elektrolyte, engmaschige Beobachtung, rasche Übergabe an Profis, Sicherung von Proben. In der Klinik wird entschieden, ob Aktivkohle einmalig oder mehrfach gegeben wird, ob Magenspülung (selten) sinnvoll ist, und wann Antidote, Silibinin-Infusionen, N-Acetylcystein, Atropin oder andere Maßnahmen indiziert sind. Deine wichtigste Aufgabe als Laie bleibt: schnell Hilfe holen und gute Informationen liefern.

9. In der Klinik: Diagnostik und Behandlung

In der Notaufnahme erfolgt eine strukturierte Ersteinschätzung mit Vitalparametern, EKG, Blutabnahmen (Leber-, Nierenwerte, Gerinnung, Elektrolyte, Blutzucker), Urinstatus und – je nach Syndrom – toxikologische Spezialdiagnostik. Bei schweren Magen-Darm-Beschwerden erhältst Du Flüssigkeit und Elektrolyte intravenös, Antiemetika gegen Übelkeit und gegebenenfalls Aktivkohle nach Protokoll. Beim Verdacht auf Amatoxine kann frühzeitig Silibinin erwogen werden, ergänzt durch engmaschige Leber-Monitoring-Protokolle; bei Muscarin-Syndrom Atropin in kontrollierter Umgebung; bei Krampfanfällen antikonvulsive Therapie; bei Hypotonie Volumentherapie und ggf. Vasopressoren. Orellanin-Exposition erfordert konsequentes Nieren-Monitoring über Tage, manchmal Dialyse. Der Verlauf entscheidet über Intensivpflicht, wiederholte Labors und Bildgebung. Parallel versuchen Expertinnen und Experten über Morphologie, DNA- oder Toxinanalytik die Art einzugrenzen – dafür sind Deine Proben und Fotos wertvoll. Ziel ist, Komplikationen früh zu erkennen, Organfunktionen zu schützen und Langzeitschäden zu verhindern.

10. Nachsorge: worauf Du Tage später achten musst

Nach Entlassung ist Wachsamkeit gefragt, weil manche Schäden zeitversetzt auftreten oder fortschreiten können. Achte auf Müdigkeit, Gelbfärbung von Haut/Skleren, dunklen Urin, sehr hellen Stuhl, anhaltende Übelkeit, Juckreiz, Bauchschmerzen im rechten Oberbauch, starke Durstgefühle, Schwindel, reduzierte Urinmenge, Schwellungen oder Gewichtszunahme durch Flüssigkeit. Vereinbare die empfohlenen Kontrolltermine zur Überprüfung der Leber- und Nierenwerte; halte Dich an Trink- und Diätempfehlungen (kein Alkohol, leicht verdauliche Kost, ausreichend Flüssigkeit, Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache). Bei jeder Verschlechterung, neuen neurologischen Symptomen oder Kreislaufproblemen: sofortige Rückkehr in die Klinik oder 112. Dokumentiere Datum, Uhrzeit, Mahlzeiten, Beschwerden – diese Chronologie hilft bei der Beurteilung. Informiere Angehörige, damit sie Veränderungen bemerken. Wenn mehrere Personen betroffen waren, sollten alle für die vereinbarte Zeit nachbeobachtet werden, selbst wenn sie zunächst beschwerdefrei geblieben sind.

11. Prävention beim Sammeln, Lagern und Zubereiten

Sammle nur Arten, die Du zweifelsfrei sicher erkennst; besuche Kurse, nutze gute Bestimmungsbücher und ziehe Pilzsachverständige zu Rate. Sammle nur junge, frische Exemplare, meide Straßennähe, Industrie- und Hundegassi-Hotspots. Trenne unbekannte Funde strikt, mische sie nicht in der Pfanne. Bewahre Pilze kühl und luftig in Körben, nicht in Plastiktüten; verarbeite sie möglichst am selben Tag. Erhitze essbare Pilze ausreichend durch, da viele roh unverträglich sind; halte Hygieneregeln ein, um bakterielle Lebensmittelvergiftungen zu vermeiden. Reste rasch kühlen und binnen 1–2 Tagen aufbrauchen; mehrmaliges Aufwärmen vermeiden. Verzichte auf selbst getrocknete oder eingelegte Pilze, wenn Du Dir der Art nicht 100 % sicher bist. Alkohol in Kombination mit bestimmten Arten (Tintlinge) kann Beschwerden triggern. Und: Verlasse Dich nie auf „Geschmackstests“, Silberlöffel-Tricks oder App-Ergebnisse – im Zweifel ist Entsorgen die klügste Entscheidung.

12. Deine Notfall-Checkliste für die Zukunft

Lege Dir eine kleine „Pilz-Mappe“ an: Telefonnummern von 112 und dem regionalen Giftnotruf, persönliche Medikamenten- und Diagnoseliste, Allergien, relevante Vorbefunde, Kontaktperson. Bewahre zu Hause ein paar sterile Beutel/Gläschen für Proben auf und halte Etiketten und einen Stift bereit. Wenn Du sammeln gehst, fotografiere Funde vor dem Schneiden aus verschiedenen Winkeln, inklusive Hutunterseite und Stielbasis; notiere Standort und Uhrzeit. Koche Pilze getrennt nach Art, hebe Putzreste separat auf und friere eine kleine Portion vom Rohmaterial ein, falls später eine Analyse nötig wird (kennzeichnen!). Meide Mischgerichte mit vielen Arten – sie erschweren die Klärung. Vereinbare in der Familie klare Regeln: Kinder fassen Pilze nicht an und essen nichts ohne Rücksprache. Mit Vorbereitung, Umsicht und konsequentem Handeln reduzierst Du das Risiko erheblich und erleichterst im Ernstfall den Fachleuten die Arbeit.


Tabelle: Typische Pilzvergiftungs-Syndrome und Erste Schritte

Deutscher Name (A–Z) Wissenschaftlicher Name Syndrom / Leittoxin Latenz (ca.) Leitsymptome Erste Schritte Dringlichkeit
Beringter Flämmling Gymnopilus junonius Gastrointestinal / neurotoxische Inhaltsstoffe 0,5–3 h Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Schweiß Giftnotruf, Klinik bei starken Symptomen, Proben/Fotos sichern Mittel
Blei grauer Fälbling Hebeloma sinapizans Gastrointestinal (Reizstoffe) 0,5–3 h Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall Giftnotruf, Flüssigkeit, Klinikabwägung Mittel
Erbrechenstäubling (Spei-Täubling) Russula emetica Gastrointestinal (Reizstoffe) 0,5–3 h Starkes Erbrechen, Bauchschmerz Giftnotruf, ggf. Klinik, Proben sichern Mittel
Falscher Pfifferling Hygrophoropsis aurantiaca Gastrointestinal (Reizstoffe) 0,5–3 h Übelkeit, Bauchkrämpfe, Durchfall (meist mild–mittel) Giftnotruf, Beobachtung, Flüssigkeit Niedrig–mittel
Faltentintling Coprinopsis atramentaria Coprin-Syndrom (mit Alkohol) Minuten–Stunden (bei Alkohol bis 72 h nach Verzehr) Flush, Herzklopfen, Blutdruckabfall, Übelkeit Alkohol strikt meiden, Giftnotruf, ggf. Klinik Mittel
Fliegenpilz Amanita muscaria Ibotensäure/Muscimol (neurotoxisch) 0,5–3 h Benommenheit, Erregung, Halluzinationen, Übelkeit Ruhig lagern, Giftnotruf, Klinik bei starker Symptomatik Mittel–hoch
Frühjahrslorchel Gyromitra esculenta Gyromitrin (hepato-/neurotoxisch) 6–12 h Übelkeit, Schwindel, Krampfanfälle, Leberbeteiligung 112/Giftnotruf, sofortige Klinik Hoch
Frühlingsknollenblätterpilz Amanita verna Amatoxine (hepatotoxisch) 6–24 h (biphasisch) Heftige GI-Phase, scheinbare Besserung, dann Leberversagen 112, umgehend Klinik, Proben/Fotos sichern Maximal
Garten-Rötling (Gift-Rötling) Entoloma sinuatum Gastrointestinal (stark) 0,5–4 h (teils >6 h) Heftige GI-Beschwerden, Kreislaufschwäche Giftnotruf, häufig Klinik Hoch
Gifthäubling Galerina marginata Amatoxine (hepatotoxisch) 6–24 h (biphasisch) GI-Phase, Leberversagen 112, sofort Klinik, Proben sichern Maximal
Grünblättriger Schwefelkopf Hypholoma fasciculare Gastrointestinal (Bitterstoffe) 0,5–3 h Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe Giftnotruf, Beobachtung/Klinik je nach Verlauf Mittel
Grüner Knollenblätterpilz Amanita phalloides Amatoxine (hepatotoxisch) 6–24 h (biphasisch) Heftige GI-Phase, nach Latenz Leberversagen 112, sofortige Klinik, Proben sichern Maximal
Grünling Tricholoma equestre Rhabdomyolyse (umstr.; nach Vielverzehr) 1–24 h bis mehrere Tage Muskelschmerz, Schwäche, brauner Urin (CK↑) Giftnotruf, Klinik, Nieren/Muskel-Monitoring Mittel–hoch
Herbstlorchel Gyromitra infula Gyromitrin (hepato-/neurotoxisch) 6–12 h Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Leberbeteiligung 112/Giftnotruf, Klinik Hoch
Kahler Krempling Paxillus involutus Hämolytisches Syndrom (immunologisch) 0,5–3 h (oft nach wiederholtem Verzehr) Übelkeit, Bauchschmerz, Hämolysezeichen 112/Klinik, enges Monitoring Hoch
Karbol-Egerling Agaricus xanthodermus Phenolverbindungen (GI-Reiz) 0,5–3 h Übelkeit, Erbrechen, Karbolgeruch, gelbendes Fleisch Giftnotruf, Flüssigkeit, Klinik bei starkem Verlauf Mittel
Kegelhütiger Knollenblätterpilz Amanita virosa Amatoxine (hepatotoxisch) 6–24 h (biphasisch) GI-Phase, dann Leberversagen 112, sofort Klinik, Proben sichern Maximal
Ölbaumtrichterling Omphalotus olearius Sesquiterpene (GI-toxisch) 0,5–3 h Heftige GI-Beschwerden, Schweiß, Schwindel Giftnotruf, häufig Klinik Mittel–hoch
Orangefuchsiger Raukopf Cortinarius orellanus Orellanin (nephrotoxisch) 2–7 Tage Durst, Flankenschmerz, Oligurie, Übelkeit Giftnotruf, sofort Klinik, Nieren-Monitoring Hoch
Pantherpilz Amanita pantherina Ibotensäure/Muscimol (neurotoxisch) 0,5–3 h Delir, Halluzinationen, Ataxie, Übelkeit Ruhig lagern, Giftnotruf, Klinik Mittel–hoch
Rettichhelmling Mycena pura Muscarin-ähnlich/weitere Toxine (GI/neuro) 0,5–3 h Übelkeit, Schweiß, Speichelfluss, Benommenheit Giftnotruf, Klinik bei stärkerer Symptomatik Mittel
Satansröhrling Rubroboletus satanas Gastrointestinal (stark, v. a. roh) 0,5–3 h Starkes Erbrechen, Durchfall, Kreislaufprobleme Giftnotruf, Klinikabwägung, Proben sichern Mittel–hoch
Schönfussröhrling Rubroboletus legaliae Gastrointestinal (stark) 0,5–3 h Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe Giftnotruf, Flüssigkeit, ggf. Klinik Mittel
Weißer Rasling (Feld-Trichterling) Clitocybe dealbata agg. Muscarin-Syndrom (cholinerg) 0,5–2 h Speichel/Tränenfluss, Schweiß, Bauchkrampf, Bradykardie Giftnotruf, Klinik (Atropin ggf. durch Fachpersonal) Hoch
Ziegelroter Risspilz Inocybe erubescens (syn. I. patouillardii) Muscarin-Syndrom (cholinerg) 0,5–2 h Starker Speichel/Schweiß, Miosis, Bradykardie, Übelkeit 112/Giftnotruf, Klinik, Proben sichern Hoch

Wichtiger Hinweis: Dieser Leitfaden bietet Orientierung in einer akuten Ausnahmesituation, ersetzt aber keine individuelle medizinische Beratung. Bei Verdacht auf Pilzvergiftung immer umgehend 112 oder den regionalen Giftnotruf kontaktieren.

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