Was ist der FAST-Test?

Der FAST-Test ist eine einfache, weltweit etablierte Methode, mit der Du innerhalb weniger Sekunden einen möglichen Schlaganfall erkennst und richtig handelst. Die vier Buchstaben stehen für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit) und fassen die wichtigsten Warnzeichen sowie das sofortige Handeln zusammen. Weil bei einem Schlaganfall jede Minute über das Ausmaß der Hirnschädigung entscheidet, hilft Dir FAST, die Situation ruhig und strukturiert zu prüfen: Du schaust nach einer plötzlichen Gesichtslähmung, testest beide Arme auf Kraft und Koordination, hörst auf ungewöhnliche Sprache – und rufst im Zweifel sofort den Notruf 112. Dieser Leitfaden erklärt Dir die einzelnen Schritte, typische Fehlerquellen und Sonderfälle (z. B. bei „stummen“ Schlaganfällen oder Sehstörungen), damit Du in kritischen Momenten sicherer bist. Du erfährst außerdem, wie medizinische Teams nach Deinem Anruf weiter vorgehen, warum Zeitfenster für Therapien so wichtig sind, und wie Du Risikofaktoren im Alltag reduzierst. Wichtig: Der FAST-Test ersetzt keine ärztliche Diagnose – er ist ein Erste-Hilfe-Werkzeug, das Dir hilft, rasch und korrekt zu reagieren.

Was ist der FAST-Test?

Was ist der FAST-Test?

Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet FAST genau?
  2. So führst Du den FAST-Test in der Praxis durch
  3. Gesicht prüfen (F wie Face)
  4. Arme testen (A wie Arms)
  5. Sprache beurteilen (S wie Speech)
  6. Keine Zeit verlieren (T wie Time)
  7. Typische Schlaganfall-Symptome jenseits von FAST
  8. Posteriorer Schlaganfall: Wenn FAST zu kurz greift
  9. TIA (Mini-Schlaganfall): Warnschuss, kein Entwarnungssignal
  10. Was passiert nach dem Notruf 112?
  11. Zeitfenster, Thrombolyse, Thrombektomie – warum Minuten zählen
  12. Häufige Fehler beim FAST-Test und wie Du sie vermeidest
  13. Kinder, junge Erwachsene, Migräne & Hypoglykämie: wichtige Differenzialdiagnosen
  14. Prävention: Risikofaktoren kennen und senken
  15. Merken, Üben, Vermitteln: So verankerst Du FAST im Alltag

1. Was bedeutet FAST genau?

FAST ist ein Merkwort, das Dir in Akutsituationen Orientierung gibt: F steht für Face und lenkt Deine Aufmerksamkeit auf eine mögliche einseitige Gesichtslähmung, etwa einen herabhängenden Mundwinkel oder eine asymmetrische Mimik beim Lächeln. A steht für Arms und prüft, ob beide Arme gleichzeitig gehoben und oben gehalten werden können – ein Absinken, Zittern oder fehlende Kontrolle kann auf einen neurologischen Ausfall hinweisen. S steht für Speech, also die Beobachtung der Sprache: Verwaschene Aussprache, falsche Wortwahl, Wortfindungsstörungen oder plötzliches Nicht-Verstehen sind Alarmsignale. T schließlich steht für Time und erinnert Dich daran, keine Zeit zu verlieren: Notruf 112 wählen, Symptome und Zeitpunkt des Beginns nennen, und falls möglich Medikamente und Vorerkrankungen bereithalten. Der Wert von FAST liegt in seiner Einfachheit – ohne Geräte, ohne medizinische Vorbildung. Gleichzeitig deckt FAST die häufigsten Schlaganfallformen ab, vor allem bei Durchblutungsstörungen in Bereichen des Gehirns, die Mimik, Motorik und Sprache steuern. Wichtig ist, dass Du FAST konsequent anwendest, auch wenn die Beschwerden „mild“ wirken, denn selbst geringe Ausfälle können auf eine ernsthafte Gefährdung hindeuten und schnelles ärztliches Eingreifen erfordern.

2. So führst Du den FAST-Test in der Praxis durch

In einer akuten Situation zählt Struktur. Sprich die betroffene Person ruhig an und erkläre kurz, was Du tust. Bitte zuerst um ein Lächeln: Beobachte, ob beide Gesichtshälften symmetrisch mitziehen oder ob ein Mundwinkel hängt. Bitte dann, beide Arme gleichzeitig nach vorn zu strecken – mit Handflächen nach oben – und etwa zehn Sekunden oben zu halten. Achte darauf, ob ein Arm absinkt, seitlich wegdriftet oder die Hand sich unwillkürlich dreht. Anschließend lass einen einfachen Satz nachsprechen, etwa: „Heute ist ein schöner Tag“ oder „Ich heiße …“. Höre auf verwaschene Aussprache, falsche Laute, vertauschte Silben oder ratloses Schweigen. Zeigt sich in einem der drei Bereiche eine Auffälligkeit, rufe sofort die 112. Notiere – oder präge Dir – die Uhrzeit, zu der die Symptome begonnen haben (oder zuletzt unauffällig waren), denn sie ist für die Therapie entscheidend. Entferne enge Kleidung, beruhige die Person, gib nichts zu essen oder zu trinken, und beobachte Atmung und Bewusstsein. Wenn die Person erbricht oder sehr schläfrig wird, lagere sie in stabiler Seitenlage. Bleibe am Telefon, folge den Anweisungen der Leitstelle und organisiere – falls möglich – medizinische Unterlagen und Medikamentenlisten.

3. Gesicht prüfen (F wie Face)

Die Gesichtsmuskulatur wird über Hirnnerven gesteuert, und Durchblutungsstörungen im Gehirn können sehr schnell zu asymmetrischen Bewegungen führen. Typisch ist der herabhängende Mundwinkel, ein schiefes Lächeln oder das Nicht-Schließen eines Augenlids auf einer Seite. Bitte die betroffene Person, die Zähne zu zeigen oder die Stirn zu runzeln: Fehlt die Bewegung einseitig, ist das ein starkes Warnsignal. Achte auf Speichelfluss, hängende Wange oder Schwierigkeiten beim Trinkversuch – alles Hinweise auf eine Hemiparese der Gesichtsmuskeln. Verwechseln solltest Du das nicht mit chronischen Asymmetrien (z. B. alte Gesichtslähmung) – frage, ob so etwas bekannt ist. Auch eine akute Lähmung nur des unteren Gesichtsdrittels spricht eher für einen zentralen Prozess wie einen Schlaganfall, während periphere Fazialisparesen (z. B. Bell-Lähmung) oft die ganze Gesichtshälfte inklusive Stirn betreffen. In der Akutsituation gilt jedoch: keine Differenzialdiagnose vor Ort. Wenn der Eindruck einer „neuen“ Asymmetrie besteht, ist das FAST-Kriterium erfüllt. Notiere die Seite der Schwäche (links oder rechts), denn das hilft später im Rettungswagen und in der Klinik. Selbst wenn die Asymmetrie nach Minuten nachlässt, bleibt das ein Notfall – Symptome können fluktuieren, aber das Risiko für einen größeren Schlaganfall bleibt erhöht.

4. Arme testen (A wie Arms)

Der Arm-Hebe-Test ist besonders sensibel für motorische Ausfälle. Bitte die Person, beide Arme nach vorn auf Schulterhöhe zu strecken, Handflächen nach oben und Augen geschlossen – das verhindert optische Kompensation. Beobachte nun etwa zehn bis zwanzig Sekunden: Sinkt ein Arm ab, dreht sich die Handfläche nach unten (Pronation Drift) oder weicht der Arm seitlich ab, deutet das auf eine Schwäche oder Koordinationsstörung hin. Frage nach Gefühlsstörungen, Kribbeln oder Taubheit, denn auch sensible Ausfälle können die Armkontrolle beeinträchtigen. Beachte: Schmerzen im Schultergelenk oder alte Verletzungen können das Testergebnis verfälschen; frage kurz danach, triff aber im Zweifel die sichere Entscheidung zugunsten eines Notrufes. Wenn die Beine betroffen scheinen (plötzliche Schwäche, Wegknicken), ist das ebenfalls hochrelevant, auch wenn FAST sich formal auf die Arme konzentriert. Dokumentiere, welche Seite betroffen ist und seit wann die Schwäche besteht. Achte außerdem auf grobe Koordinationsprobleme, etwa wenn die Finger-Nase-Prüfung misslingt – das kann auf Kleinhirnbeteiligung hinweisen, zu der Du in einem späteren Abschnitt mehr erfährst. Wichtig bleibt: Ein einziges positives FAST-Kriterium reicht aus, um die 112 zu wählen; warte nicht auf das „volle Bild“.

5. Sprache beurteilen (S wie Speech)

Sprachstörungen bei Schlaganfall können sich sehr unterschiedlich äußern: von verwaschener Artikulation (Dysarthrie) über Wortfindungsstörungen bis hin zum völligen Sprachverlust (Aphasie). Bitte die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen, sich vorzustellen oder einen Gegenstand zu benennen („Was ist das?“ – „Eine Uhr.“). Achte auf falsche Wörter, unpassende Laute, verdrehte Silben oder unverständliche Lautfolgen. Manchmal wirkt die Person verwirrt oder „versteht“ Dich nicht – hier kann eine rezeptive Aphasie vorliegen, bei der die Sprachverarbeitung gestört ist. Verwechsle das nicht mit Hörproblemen: Sprich deutlich, wiederhole einmal, aber verliere keine Zeit mit langen Tests. Auch plötzliches stockendes Sprechen, ungewöhnliche Heiserkeit oder das Nichterinnern einfacher Begriffe zählen als positiv. Wichtig: Sprachstörungen können sehr belastend sein; bleib ruhig, signalisiere, dass Hilfe unterwegs ist, und vermeide komplexe Fragen, die zusätzliche Frustration erzeugen. Wenn die Person zweisprachig ist, prüfe – falls möglich – die Sprache, in der sie sich normalerweise am sichersten fühlt; aber spare Dir Umwege, wenn die Zeit drängt. Beachte, dass auch Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle Sprache beeinträchtigen können. Für die Akutentscheidung genügt jeder klare Sprachhinweis – FAST positiv, 112 anrufen.

6. Keine Zeit verlieren (T wie Time)

Das T in FAST ist die wichtigste Erinnerung: Zeit ist Hirn. Mit jeder Minute unversorgter Durchblutung sterben Millionen von Nervenzellen. Deshalb zählt nicht, ob die Symptome „stark genug“ erscheinen, sondern ob sie neu und plötzlich aufgetreten sind. Rufe bei positivem FAST ohne Zögern die 112 und schildere knapp: Wer ist betroffen? Welche Symptome? Seit wann? Welche Medikamente (insbesondere Blutverdünner) werden eingenommen? Gibt es bekannte Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes? Notiere den genauen Beginn (oder den Zeitpunkt, zu dem die Person zuletzt ohne Symptome gesehen wurde). Sorge dafür, dass Türen geöffnet sind, Haustiere gesichert werden und ein Ausweis greifbar ist. Verzichte auf Autofahrten in Eigenregie – der Rettungsdienst kann vor Ort bereits wichtige Maßnahmen einleiten und direkt in eine geeignete Stroke Unit bringen. Gib der betroffenen Person nichts zu essen, zu trinken oder an Medikamenten – auch kein „zur Sicherheit“ eingenommenes Aspirin, da eine Hirnblutung nicht ausgeschlossen ist. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beobachte Atmung und Bewusstsein, halte die Person warm und ruhig und bleibe in Sprechweite.

7. Typische Schlaganfall-Symptome jenseits von FAST

FAST deckt die häufigsten und wichtigsten Anzeichen ab, doch ein Schlaganfall kann auch andere Symptome auslösen. Plötzliche Sehstörungen – Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle, ein „Vorhang“ vor einem Auge – sind ebenso alarmierend. Starker, ungewohnter Schwindel mit Gangunsicherheit, Fallneigung oder Übelkeit kann auf eine Beteiligung des Kleinhirns hindeuten, vor allem wenn er abrupt beginnt. Sensibilitätsstörungen (Taubheit, Kribbeln) in Gesicht, Arm oder Bein – oft einseitig – sind typisch. Dazu kommen Verständnisstörungen, Desorientiertheit oder eine plötzlich veränderte Persönlichkeit. Besonders ernst sind „Donnerschlag“-Kopfschmerzen, die innerhalb von Sekunden maximale Intensität erreichen – sie können auf eine Blutung hindeuten und gehören sofort in ärztliche Hände. Als Merkhilfe ergänzen manche den FAST-Test um zusätzliche Buchstaben (z. B. BE-FAST, das Balance und Eyes einbezieht). Für Dich zählt: Achte auf jede plötzliche, fokale neurologische Veränderung, auch wenn sie nicht perfekt in FAST passt. Im Zweifel gilt immer: 112 anrufen. Selbst wenn sich Symptome schnell bessern, kann es sich um eine transitorische ischämische Attacke handeln – und die ist ein starkes Warnsignal für einen größeren Schlaganfall in den nächsten Stunden bis Tagen.

8. Posteriorer Schlaganfall: Wenn FAST zu kurz greift

FAST ist besonders treffsicher bei vorderen Kreislaufgebieten (z. B. Mittelhirnarterie), weil dort Motorik und Sprache oft betroffen sind. Bei posterioren Schlaganfällen – also im hinteren Hirnkreislauf, der das Kleinhirn und den Hirnstamm versorgt – stehen jedoch andere Zeichen im Vordergrund: plötzlicher Drehschwindel, Stand- und Gangataxie, Doppelbilder, einseitige Sehstörungen oder Schluckstörungen. Hier kann FAST unauffällig sein, obwohl ein schwerer Schlaganfall vorliegt. Achte deshalb auf „rote Flaggen“: Schwindel, der abrupt beginnt, sich durch Lagewechsel nicht bessert und mit Übelkeit, Erbrechen oder Koordinationsverlust einhergeht; sehr unsicherer Gang; neue Doppelbilder; Heiserkeit, die mit Schluckproblemen kombiniert ist. In diesen Fällen solltest Du trotzdem die 112 rufen, insbesondere wenn der Beginn klar auf eine bestimmte Minute festzulegen ist. Ein gängiges erweitertes Schema ist BE-FAST: B für Balance (Gleichgewicht) und E für Eyes (Augen) ergänzen die klassischen FAST-Kriterien. Es ersetzt nicht den Arzt, hilft aber, gefährliche Situationen früher zu erkennen. Halte Dir vor Augen: Die Therapiechancen hängen maßgeblich vom raschen Erkennen ab – unabhängig davon, welches Hirnareal betroffen ist.

9. TIA (Mini-Schlaganfall): Warnschuss, kein Entwarnungssignal

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) äußert sich durch vorübergehende neurologische Ausfälle, die sich binnen Minuten bis Stunden vollständig zurückbilden. Das macht sie tückisch: Viele Betroffene nehmen die kurzzeitigen Symptome nicht ernst und suchen keine Hilfe. Dabei ist die TIA ein Alarmsignal – in den folgenden 24 bis 48 Stunden ist das Risiko für einen schweren Schlaganfall besonders hoch. FAST kann auch bei TIA positiv sein: hängender Mundwinkel, schwacher Arm, verwaschene Sprache – und kurze Zeit später scheinbar wieder normal. Lass Dich davon nicht täuschen: Der Notruf 112 ist trotzdem richtig. In der Klinik können Ursachen wie Herzrhythmusstörungen, Halsschlagaderverengungen oder Gerinnungsstörungen abgeklärt werden. Wichtig ist, die Uhrzeit des Beginns festzuhalten, selbst wenn die Symptome wieder weg sind. Häufig leitet das Ärzteteam nach einer TIA unmittelbar vorbeugende Behandlungen ein, etwa Blutverdünner oder eine Operation an der Halsschlagader, um erneute Ereignisse zu verhindern. Für Dich gilt: Vorübergehend heißt nicht ungefährlich. Wer FAST-positiv war, braucht rasche Abklärung – jede Verzögerung kann darüber entscheiden, ob es bei einer Warnung bleibt oder ein schwerer Schlaganfall folgt.

10. Was passiert nach dem Notruf 112?

Nach Deinem Anruf wird die Leitstelle einen Rettungswagen – oft mit Notarzt – entsenden. Schon vor Ort erfolgt eine strukturierte Beurteilung: Vitalparameter (Atmung, Puls, Blutdruck, Blutzucker), neurologischer Kurzcheck (häufig NIHSS-basiert) und die Sicherung der Basisfunktionen. Bei Verdacht auf Schlaganfall wird der Transport in die nächstgelegene Stroke Unit organisiert, idealerweise mit Voranmeldung, damit das Klinikteam CT/MRT und Labor vorbereitet. In der Notaufnahme folgt rasch eine Bildgebung, meist zunächst ein CT, um eine Hirnblutung auszuschließen. Bei ischämischem Schlaganfall und geeigneten Kriterien kann eine medikamentöse Thrombolyse (Gerinnselauflösung) erfolgen; bei Verschlüssen großer Hirngefäße wird eine mechanische Thrombektomie erwogen, bei der ein Katheter das Gerinnsel entfernt. Parallel prüft das Team Herzrhythmus, Gerinnung, Gefäßstatus und mögliche Ursachen. Für Angehörige sind Informationen zum Symptombeginn, zur Medikamentenliste (insbesondere Blutverdünner) und zu Vorerkrankungen sehr hilfreich. Wichtig: Auch wenn Symptome abgeklungen sind, erfolgt in der Regel eine stationäre Überwachung, weil Komplikationen jederzeit auftreten können. Deine Aufgabe bis dahin: Ruhe bewahren, erreichbar bleiben und dem Rettungsteam bei Nachfragen helfen.

11. Zeitfenster, Thrombolyse, Thrombektomie – warum Minuten zählen

Therapien gegen Schlaganfall sind stark zeitabhängig. Die Thrombolyse mit einem Gerinnsel-auflösenden Medikament kann – bei Erfüllung bestimmter Kriterien – in den ersten Stunden nach Symptombeginn die Durchblutung wiederherstellen und Folgeschäden verringern. Bei großen Gefäßverschlüssen kann eine Thrombektomie innerhalb eines erweiterten Zeitfensters sinnvoll sein, teilweise bis zu mehreren Stunden nach Beginn, wenn die Bildgebung zeigt, dass noch rettbares Hirngewebe vorhanden ist. Genau deshalb ist der Zeitpunkt „Last Known Well“ – also der zuletzt sichere Zeitpunkt ohne Symptome – so entscheidend. Jede Verzögerung reduziert die Erfolgswahrscheinlichkeit und erhöht das Risiko bleibender Behinderungen. Auch organisatorische Faktoren spielen hinein: Ein früh alarmiertes Team spart wertvolle Minuten im Krankenhaus. Für Dich bedeutet das: Der FAST-Test ist nicht nur ein Erkennungs-, sondern auch ein Beschleunigungsinstrument. Er hilft Dir, schnell die richtigen Informationen zu sammeln und weiterzugeben, sodass das medizinische Team ohne Zeitverlust handeln kann. Selbst wenn sich am Ende ein anderes Problem herausstellt, ist die schnelle Abklärung beim Schlaganfallverdacht immer die sicherste Option.

12. Häufige Fehler beim FAST-Test und wie Du sie vermeidest

In der Aufregung passieren typische Fehler: Manche beobachten nur „starke“ Zeichen und übersehen milde Ausfälle; andere warten ab, ob es „von allein weggeht“. Beides kostet Zeit. Vermeide es, zusätzliche Tests zu erfinden, die nur aufhalten – die drei FAST-Schritte reichen. Prüfe nicht nur im Sitzen: Beim Armtest sollte die Person, wenn möglich, aufrecht sitzen; schau auf ein Absinken oder Wegdriften. Achte darauf, dass Sprachprobleme nicht an Hörminderung oder Sprachbarriere liegen – wiederhole einmal langsam, aber verliere keine Zeit. Unterschätze Sehstörungen und Schwindel nicht, vor allem wenn sie plötzlich einsetzen und mit Unsicherheit einhergehen. Ein weiterer Fehler ist die Autofahrt in Eigenregie; sie verzögert Diagnostik und Therapie. Schließlich: Dokumentiere den Symptombeginn so genau wie möglich – „vor ungefähr einer Stunde“ ist schlechter als „um 14:35 Uhr“. Wenn Du Dir unsicher bist, zähle lieber eine Beobachtung als „auffällig“, statt sie zu relativieren. Im Zweifel gilt: FAST positiv? 112.

13. Kinder, junge Erwachsene, Migräne & Hypoglykämie: wichtige Differenzialdiagnosen

Auch wenn Schlaganfälle häufiger im höheren Alter auftreten, können Kinder und junge Erwachsene betroffen sein, etwa durch Gefäßdissektionen, angeborene Gerinnungsstörungen oder seltene Entzündungen. Bei jungen Menschen wird ein Schlaganfallverdacht oft zu spät ernst genommen – halte Dich auch hier an FAST und rufe die 112. Einige Erkrankungen können FAST-ähnliche Symptome verursachen: Migräne mit Aura kann Sprach- und Sehstörungen auslösen; epileptische Anfälle hinterlassen vorübergehende Lähmungen (Todd-Parese); eine schwere Unterzuckerung (Hypoglykämie) führt zu Verwirrtheit, Schwäche oder Sprachstörungen. Der Rettungsdienst prüft deshalb früh den Blutzucker. Auch Infektionen, Hirntumoren oder Multiple Sklerose können Symptome imitieren – doch das zu unterscheiden ist Aufgabe der Klinik. Für Dich zählt, ernst zu nehmen, was plötzlich und fokal auftritt. Wenn Risikofaktoren wie Vorhofflimmern, Rauchen, Bluthochdruck oder kürzliche Nackenverletzungen bestehen, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen echten Schlaganfall. Deshalb: Keine Scheu, den Notruf zu wählen – eine „Fehlalarm“-Abklärung ist allemal besser, als eine Therapiechance zu verpassen.

14. Prävention: Risikofaktoren kennen und senken

Der beste Schlaganfall ist der, der gar nicht erst passiert. Du kannst viel tun: Lass Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren und behandeln, denn unbehandelter Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor. Achte auf ein ausgewogenes Gewicht, bewege Dich mindestens 150 Minuten pro Woche moderat, und setze auf eine gemüse- und ballaststoffreiche Ernährung mit wenig Salz, Zucker und stark verarbeiteten Fetten. Hör mit dem Rauchen auf; schon nach wenigen Wochen sinkt Dein Risiko deutlich. Trinke Alkohol, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen. Lass bei Herzstolpern oder Leistungsknick Dein Herz untersuchen, denn Vorhofflimmern begünstigt Blutgerinnsel, die Hirnarterien verstopfen können. Sprich mit Deinem Arzt über Cholesterinwerte und – falls empfohlen – eine medikamentöse Senkung. Auch guter Schlaf, Stressreduktion und ein aktiver Umgang mit Depressionen wirken protektiv. Wenn in Deiner Familie Schlaganfälle früh auftraten, lohnt sich eine frühzeitige Abklärung von Gefäßrisiken. Prävention klingt unspektakulär, ist aber hochwirksam – und im Ernstfall bist Du mit dem FAST-Wissen doppelt gewappnet.

15. Merken, Üben, Vermitteln: So verankerst Du FAST im Alltag

Damit FAST im Notfall abrufbar ist, hilft Wiederholung. Präge Dir die vier Buchstaben mit einer Eselsbrücke: Face – Arme – Sprache – Time. Hänge eine kleine Notiz neben das Telefon, speichere „Schlaganfall – FAST – 112“ als Kurzwahl-Notiz im Smartphone, und erkläre Familienmitgliedern oder Kolleginnen, wie sie testen. Übe spielerisch: Lächeln, Arme heben, Satz sprechen – je vertrauter die Schritte sind, desto ruhiger handelst Du im Ernstfall. In Vereinen, Betrieben oder Schulen eignen sich Erste-Hilfe-Kurse, um die Erkennung neurologischer Notfälle zu trainieren. Achte darauf, Mythen zu entkräften: Kein „Abwarten und Tee trinken“, kein Autofahren in die Klinik, kein Aspirin „auf Verdacht“. Teile Dein Wissen auch online oder in Familienchats – je mehr Menschen FAST kennen, desto größer die Chance, dass Betroffene rechtzeitig Hilfe erhalten. Und vergiss nicht: Auch wenn Symptome milde wirken oder rasch vergehen, bleibt der Notruf der richtige Schritt. Die Kombination aus Prävention, Übung und klaren Handlungsregeln macht Dich im Ernstfall zur entscheidenden Hilfe auf dem Weg in die Stroke Unit.

Tabelle: FAST auf einen Blick

Element Bedeutung So prüfst Du es Typische Auffälligkeiten Nächster Schritt
Face (Gesicht) Einseitige Lähmung Lächeln/Zähne/Stirn Hängender Mundwinkel, Asymmetrie 112, Beginn notieren
Arms (Arme) Schwäche/Koord.-verlust Arme vor, HF ↑, 10–20 s Arm sinkt/driftet, Pronation 112, Seite merken
Speech (Sprache) Sprach-/Sprechstörung Satz nachsprechen/benennen Verwaschen, Paraphasien, Wortfindung 112, Symptome knapp
Time (Zeit) Sofort handeln Beginn festhalten, Notruf Keine Eigenfahrt 112, Med./Vorerkr. parat
Balance (Gleichgewicht) Posterior-Verdacht Stand/Gang checken Akuter Schwindel, Ataxie 112, Sturzschutz
Eyes (Augen) Sehstörungen Doppelbilder/Feldausfälle? „Vorhang“, Doppelbilder, neue Blindheit 112, Beginn notieren

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