Welche Weine werden aus der Sangiovese-Traube gekeltert?

Sangiovese ist die prägende Rotweinrebsorte Mittelitaliens – vielseitig, terroirsensibel und kulinarisch dank ihrer lebendigen Säure und feinkörnigen Tannine ein Traum. Von kirschig-frischen Alltagsweinen bis zu langlebigen Ikonen wie Brunello di Montalcino reicht das Spektrum, je nach Klon (Sangiovese Grosso, Prugnolo Gentile, Morellino), Klima, Böden (Galestro, Alberese, Kalk, Ton) und Ausbau (Zement, große Fässer, Barrique). Im Duft findest Du rote Kirsche, Veilchen, Orangenzeste, getrocknete Kräuter, Tabak und mit Reife Leder oder Teer. Dieser Leitfaden zeigt Dir, welche Weine konkret aus Sangiovese gekeltert werden – vom Chianti Classico bis zu Rosato, vom Montecucco Sangiovese bis zu Toscana-IGT-Cuvées und seltenen Dessert- und Schaumweinen. Du bekommst klare Stilhinweise, Trinkfenster, Foodpairings und Einkaufstipps, damit Du im Handel oder Restaurant zielsicher wählst. Am Ende wartet eine übersichtliche ABC-Tabelle mit den wichtigsten Sangiovese-Weinen, ihrem Stilprofil und passenden Speisen – perfekt als schneller Spickzettel für Deine nächste Wein- und Menüplanung.

Welche Weine werden aus der Sangiovese-Traube gekeltert?

Welche Weine werden aus der Sangiovese-Traube gekeltert?

Inhaltsverzeichnis

  1. Sangiovese – Rebsortenprofil, Klone und Stil
  2. Terroir & Ausbau – warum Sangiovese so wandelbar ist
  3. Chianti Classico DOCG – das Herz der Sorte
  4. Chianti DOCG & Subzonen – Breite mit Profil
  5. Chianti Riserva & Gran Selezione – das Qualitätsdach
  6. Brunello di Montalcino DOCG – Sangiovese pur und groß
  7. Rosso di Montalcino DOC – die frühe Tür nach Montalcino
  8. Vino Nobile di Montepulciano DOCG – seidig und seriös
  9. Rosso di Montepulciano DOC – der zugängliche Bruder
  10. Morellino di Scansano DOCG – die sonnenwarme Küste
  11. Montecucco Sangiovese DOCG – Geheimtipp am Amiata
  12. Orcia DOC – Zwischenland mit Ecken und Kanten
  13. Romagna Sangiovese DOC – energiegeladene Kirsche
  14. Umbrien I – Torgiano Rosso Riserva DOCG
  15. Umbrien II – Montefalco Rosso DOC
  16. Maremma Toscana DOC – moderne Sangiovese-Spielwiese
  17. Carmignano DOCG – historischer Blend mit Klasse
  18. Rosso Piceno DOC (Marken) – Sangiovese im Verbund
  19. Colli di Luni Rosso DOC – Grenzgänger Ligurien/Toskana
  20. San Gimignano Rosso DOC – mehr als nur Vernaccia-Land
  21. Toscana IGT & „Supertuscans“ – Freiheit mit Statement
  22. Sangiovese Rosato – die duftige, salzige Seite
  23. Sangiovese als Schaumwein – rar, aber reizvoll
  24. Süß & Oxidativ – Vin Santo Occhio di Pernice
  25. Sangiovese weltweit – Neue Welten, alte DNA

1. Sangiovese – Rebsortenprofil, Klone und Stil

Sangiovese treibt spät aus, reift spät und liebt Wärme ohne Extreme – deshalb fühlt er sich von der Romagna über die Toskana bis in die Maremma wohl. Die dicke Schale liefert Tannin, das bei sensibler Extraktion feinkörnig wirkt; die stets präsente Säure hält selbst kräftige Weine saftig und essensfreundlich. Klone erklären regionale Stile: Sangiovese Grosso (Brunello) bringt Kraft und Langlebigkeit, Prugnolo Gentile (Montepulciano) liefert Seidigkeit und florale Noten, Morellino (Scansano) steht für reifere, mediterrane Frucht. Typische Aromen sind Sauerkirsche, Herzkirsche, Veilchen, getrocknete Kräuter, Orangenzeste, Tabak, Leder, Balsamico und mit Reife Unterholz. Farbe: helles bis mittleres Rubin, oft transparenter als internationale Blockbuster. Sangiovese kann reinsortig brillieren oder in Cuvées Spannung setzen (Colorino, Canaiolo, Cabernet, Merlot, Syrah). Kulinarisch deckt er Pizza, Pasta al Pomodoro, Ragù, Pilze, Steak, Lamm und gereiften Hartkäse ab. Entscheidend: Terroir, Erntezeitpunkt, Extraktion und Holzeinsatz – dazu mehr im nächsten Abschnitt.

2. Terroir & Ausbau – warum Sangiovese so wandelbar ist

Kaum eine italienische Sorte spiegelt Herkunft so fein wie Sangiovese. Kalk und Galestro (zerklüfteter Schiefer) schärfen Konturen und Tannin, Ton gibt Fülle, Sand sorgt für Duftigkeit. Höhenlagen (400–600 m) erzeugen kühlere, florale Profile mit straffer Säure; küstennahe Lagen bringen dunklere Frucht und Kräuterwürze. Im Keller prägt die Wahl der Gebinde: Edelstahl erhält Primärfrucht, Zement (Beton) verleiht Cremigkeit ohne Holzton, große Fässer (botti) geben Sauerstoff und polieren Tannin, Barrique setzt Gewürz und Struktur – funktioniert nur, wenn Frucht und Säure mithalten. Extraktion ist heikel: zu hart = trockene Tannine; zu weich = dünn. Viele Spitzenweine mäßigen den Alkohol (13–14,5 % vol), lassen die Säure stehen und suchen Balance statt Wucht. So entstehen Stile von saftig-trinkig (Rosso) bis monumental und langlebig (Riserva, Brunello). Deine Kaufentscheidung profitierst daher von Infos zu Lage, Höhe, Böden, Ausbau und Jahrgang – sie erklären, warum zwei Sangiovese im Glas so verschieden wirken.

3. Chianti Classico DOCG – das Herz der Sorte

Zwischen Florenz und Siena liefert das Classico-Gebiet die archetypische Sangiovese-Erfahrung: kirschig, floral, würzig, mit rasantem Trinkfluss und feinem Biss. Vorgabe: mindestens 80 % Sangiovese; weiße Trauben sind verboten. Viele Erzeuger füllen heute reinsortig ab oder ergänzen mit Canaiolo/Colorino; internationale Sorten sind seltener. Stilistisch reicht das Spektrum von klassisch (großes Holz, duftige Frucht, salzige Länge) bis modern (etwas Barrique, dunklere Frucht, seidigeres Tannin). Subzonen/UGA wie Radda, Gaiole, Castellina oder Panzano geben Hinweise: Je höher und kühler, desto straffer und floraler; wärmere Lagen liefern Fülle. Trinkfenster: Annata 2–5 Jahre, Riserva 5–12, Gran Selezione 8–20+. Foodpairings: Bistecca alla Fiorentina, Pilzrisotto, Salami, Pecorino. Tipp beim Einkauf: Jahrgangsberichte lesen, Winzerstil prüfen (Tradition vs. Barrique), Alkohol und Säure im Blick behalten. Chianti Classico ist für viele der „Sweet Spot“ aus Herkunft, Eleganz, Preis-Leistung und gastronomischer Vielseitigkeit.

4. Chianti DOCG & Subzonen – Breite mit Profil

Die große DOCG Chianti umfasst acht Subzonen (u. a. Rufina, Colli Senesi, Colli Fiorentini, Aretini, Pisane, Montalbano, Montespertoli) mit teils eigenständiger Prägung. Rufina steht für kühle, hochgelegene Lagen und erstaunliche Langlebigkeit; Colli Senesi wirkt wärmer und fruchtbetonter; die fiorentinischen Hügel ergeben elegante, duftige Stile. Mindestens 70 % Sangiovese sind Pflicht, doch ambitionierte Betriebe setzen höher. Der Ausbau reicht vom Edelstahlfruchtstil bis zu Holz geprägten Riservas. Gemeinsam ist die saftige Kirsche, Kräuterwürze und eine lebendige Säure, die Pizza, Pasta, Geflügel, Eintöpfe und Grillgerichte ideal begleitet. Chianti Annata ist jung zugänglich; Superiore/Riserva bringen Struktur und sekundäre Aromen (Tabak, Leder, Gewürz). Preislich oft unter dem Classico, aber mit starkem Alltags- und Gastronomiewert. Achte auf Produzenten, die Erträge begrenzen und in Weinbergspflege investieren – dann kann Chianti mehr sein als „Hauswein“.

5. Chianti Riserva & Gran Selezione – das Qualitätsdach

In der Hierarchie stehen längere Reife und strengere Selektion für mehr Tiefe, Länge, Komplexität. Riserva erhält zusätzliche Fass- und Flaschenzeit, wodurch Tannin poliert und sekundäre Aromen betont werden. Im Chianti Classico setzt „Gran Selezione“ noch eins drauf: ausschließlich eigene Trauben, oft Einzellagen, längere Reife und ein klarer Herkunftsfokus. Im Glas: dunklere Kirsche, Brombeere, Sandelholz, Tabak, balsamische Noten, fester, aber seidig gewobener Tanninzug und salzige Länge. Diese Weine lieben große Burgundergläser, 1–3 Stunden Belüftung und reichhaltige Küche (Ochsenschulter, Wild, Trüffel, gereifter Pecorino). Nicht jedes Etikett hält, was die Kategorie verspricht – aber bei seriösen Erzeugern sind Riserva und besonders Gran Selezione die expressivsten, langlebigsten Gesichter des Chianti. Für Kellerfreunde: 10–20 Jahre sind keine Ausnahme.

6. Brunello di Montalcino DOCG – Sangiovese pur und groß

Brunello (immer 100 % Sangiovese Grosso) ist die majestätische, langlebige Spitze: warmes, aber windoffenes Klima um Montalcino, vielfältige Böden und strenge Reifevorschriften formen Weine mit Tiefe, Struktur und Noblesse. Aromen: reife Kirsche, Veilchen, Tabak, Zedernholz, Leder, Teer, Orangenzeste; am Gaumen dicht, energiegeladen, mit straffer Säure und feinem, aber tragendem Tannin. Stilfragen (großes Holz vs. Barrique) sind Interpretationssache, doch die besten Brunelli bleiben transparent und spannungsgeladen, nie schwer. Trinkfenster: häufig 8–25 Jahre, in Topjahren länger. Kulinarisch: Wild, Lamm, Rinderbäckchen, Steinpilze, Trüffel, gereifter Hartkäse. Beim Kauf auf Produzentenstil, Jahrgang und Lagerbedingungen achten. Brunello ist kein „täglich Brot“, aber für Sangiovese-Fans die Referenz, wie Größe und Eleganz zusammengehen.

7. Rosso di Montalcino DOC – die frühe Tür nach Montalcino

Rosso di Montalcino ist der Nachwuchs-Brunello: ebenfalls 100 % Sangiovese aus Montalcino, jedoch mit kürzerer Reife und Fokus auf Frucht, Saft und Zugänglichkeit. Im Duft: Herzkirsche, Granatapfel, Veilchen, zarte Kräuterwürze; am Gaumen feine Tannine, animierende Säure, mittlerer Körper und moderate Eiche. Er zeigt die DNA des Ortes ohne Geduldshürde und Budgetsprung. Ideal zu Tomaten-Pasta, Pizza mit Salsiccia, Grillhähnchen, mittelkräftigem Käse. Trinkfenster: 2–6 Jahre. Tipp: Erzeuger wählen, die ihren Rosso nicht als „Resteverwertung“, sondern als bewusst eigenständigen Wein keltern – dann bekommst Du viel Montalcino-Flair im Glas.

8. Vino Nobile di Montepulciano DOCG – seidig und seriös

In Montepulciano heißt Sangiovese „Prugnolo Gentile“ und dominiert den Blend (mindestens 70 %). Stilistisch steht Vino Nobile zwischen Chianti und Brunello: kirschig, floral, mit Lakritz, getrockneten Kräutern, feinem Grafitton und sanfterer, seidiger Tanninstruktur. Klassische Ausbauformen (großes Holz) bewahren Eleganz und Herkunft, während moderner Barriqueeinsatz Gewürz und Schmelz betont. „Riserva“ bringt mehr Tiefe und Lagerfähigkeit. Kulinarisch passt Vino Nobile hervorragend zu Pici al Ragù, Lammkoteletts, Porchetta, Pilzgerichten und Pecorino di Pienza. Häufig unterschätzt, bietet er starke Preis-Leistung und eine eigenständige, samtig-strukturierte Interpretation von Sangiovese.

9. Rosso di Montepulciano DOC – der zugängliche Bruder

Der Rosso zeigt Montepulciano in unbeschwerter, fruchtbetonter Form: saftige Kirsche, Hagebutte, Veilchen, ein Hauch Orangenzeste, feinkörniges, zurückhaltendes Tannin und knackige Säure. Ausbau meist im Edelstahl oder neutralem Holz, selten Barrique. Dadurch bleibt der Wein kühl, frisch und vielseitig. Trinkfenster: 2–5 Jahre, ideal leicht gekühlt zu Antipasti, Pizza, Hähnchen, Gemüse vom Grill und jüngeren Pecorini. Wer die Region kennenlernen will, beginnt hier: viel Herkunft, wenig Hürde, fairer Preis.

10. Morellino di Scansano DOCG – die sonnenwarme Küste

In der Maremma heißt Sangiovese „Morellino“. Das maritime, wärmere Klima bringt dunklere Kirsche, Pflaume, mediterrane Kräuter (Rosmarin, Thymian), Lakritz und häufig eine samtene Textur. Im Blend oft 85–100 % Sangiovese, ergänzt durch lokale oder internationale Sorten. Es gibt fruchtige, stahltankgeprägte Varianten für den frühen Genuss und strukturierte, teils barriquegereifte Riservas mit mehr Tiefe. Pairings: Grillrind, Salsiccia, Pizza Diavola, Tomaten-Thunfisch-Pasta. Morellino ist die charmante, sonnige Seite des Sangiovese – zugänglich und doch charaktervoll.

11. Montecucco Sangiovese DOCG – Geheimtipp am Amiata

Zwischen Montalcino und Maremma wachsen am Monte Amiata Sangiovese auf vulkanisch geprägten Hängen mit starken Tag-Nacht-Amplituden. Montecucco verlangt hohe Sangiovese-Anteile und seriöse Reife. Das Ergebnis kombiniert Struktur und Saftigkeit: reife Kirsche, Waldbeeren, mediterrane Kräuter, Graphit, feine Mineralik. Tannin ist präsent, aber polierbar; die Säure hält Spannung, der Alkohol bleibt moderat bis kräftig. Trinkfenster: 6–15 Jahre. Kulinarisch: Wildschweinragù, Rinderbäckchen, Pilzrisotto, gereifter Pecorino. Für Kenner, die Brunello-artige Tiefe zu freundlicherem Preis suchen.

12. Orcia DOC – Zwischenland mit Ecken und Kanten

Die Orcia DOC liegt zwischen Montalcino und Montepulciano. Sangiovese dominiert (teils reinsortig), die Stile sind vielfältig: von fruchtig-frischen, stahltankbetonten Weinen bis zu strukturierten Varianten mit großem Holz oder moderatem Barrique. Oft spürst Du karge Böden, Höhenlage und Winde in kühlerer Frucht und straffem Tannin. Gute Erzeuger setzen auf moderate Extraktion und präzise Säure. Orcia ist spannend für alle, die etwas „raw energy“ mögen: Kirsche, rote Johannisbeere, Kräuter, Steinwürze, salzige Länge. Ideal zu Ribollita, gegrilltem Gemüse, Lamm und Pecorino.

13. Romagna Sangiovese DOC – energiegeladene Kirsche

Östlich des Apennin zeigt Sangiovese eine hellere, kirschig-pfeffrige Seite mit hoher Trinkigkeit. Unterzonen wie Predappio, Modigliana, Bertinoro liefern Flor, Steinwürze und kühle Frucht. Ausbau: häufig Zement, großes Holz, minimale Extraktion – Transparenz statt Make-up. Die Weine sind leichtfüßig, aber nicht leichtgewichtig: die Säure trägt, das Tannin bleibt herzhaft, die Länge salzig. Essen? Piadina mit Prosciutto, Lasagne alla Bolognese, Spieße vom Grill, Pilze. Preis-Leistung sehr gut; ideal, wenn Du präzise, energiegeladene Sangiovese suchst.

14. Umbrien I – Torgiano Rosso Riserva DOCG

Torgiano Rosso Riserva ist Umbriens Klassiker: Sangiovese führt, flankiert von Canaiolo/Montepulciano, lang gereift im Holz. Im Glas: Kirsche, Pflaume, Tabak, Leder, süße Gewürze, strukturierte, aber feine Tannine. Der Stil ist altweltlich-elegant, mit klarer Gastronomie-Tauglichkeit. Trinkfenster: 8–20 Jahre, je nach Jahrgang. Pairings: Schmorgerichte, Kalbsbäckchen, Lamm, gereifter Hartkäse. Für Liebhaber klassischer, gereifter Sangiovese-Stile abseits des toskanischen Rampenlichts.

15. Umbrien II – Montefalco Rosso DOC

Montefalco Rosso kombiniert Sangiovese (Basis) mit Sagrantino und/oder Merlot. Das gibt mehr Farbe, dunklere Frucht und griffigeres Tannin, bleibt dank Sangiovese-Säure aber trinkig. Aromen: Schwarzkirsche, Brombeere, Veilchen, getrocknete Kräuter, Kakao; je nach Ausbau Gewürz und Vanille. Ein idealer Essenswein zu Salsiccia, Ragù, geschmortem Schwein, Polenta mit Pilzen. „Riserva“ verstärkt Struktur und Tiefe. Für alle, die Sangiovese im komplexeren Blend kennenlernen wollen.

16. Maremma Toscana DOC – moderne Sangiovese-Spielwiese

Die weitläufige Maremma Toscana DOC erlaubt zahlreiche Sorten und Stile; Sangiovese spielt oft die Hauptrolle. Erzeuger nutzen die Freiheit für fruchtbetonte, saftige Rotweine, charaktervolle Einzellagen-Abfüllungen oder spannende Cuvées mit internationalen Trauben. Das maritime Klima ergibt mediterrane Kräuterwürze, reife Kirsche, dunklere Beeren und sanftere Tannine. Vieles ist jung zu trinken, doch selektierte Lagen zeigen Tiefe und Lagerfähigkeit. Foodpairings: Grill, Ragù, Pizza, geschmortes Gemüse. Für Entdecker, die moderne, zugängliche Sangiovese suchen.

17. Carmignano DOCG – historischer Blend mit Klasse

Carmignano bei Prato ist historisch eng mit Sangiovese-Blends und Cabernet verbunden – lange, bevor „Supertuscans“ Trend wurden. Sangiovese bildet das Rückgrat, Cabernet/Merlot setzen Cassis, Graphit und Struktur. Im Duft: Kirsche, Johannisbeere, Zedernholz, Tabak; am Gaumen mittelkräftig bis kräftig, mit poliertem Tannin und feiner Säureader. Der Stil ist „klassisch-modern“: Herkunftstreue mit internationaler Gewürzspur. Kulinarisch: Florentiner Steak, Wildgeflügel, gereifter Pecorino. Für Fans eleganter Blends mit Geschichte.

18. Rosso Piceno DOC (Marken) – Sangiovese im Verbund

In den Marken ist Rosso Piceno ein Blend mit Montepulciano plus Sangiovese. Der Sangiovese-Anteil bringt rote Kirsche, Säure und Pfeffer, Montepulciano liefert Farbe und Fülle. Ausbau meist im Edelstahl/größerem Holz, „Superiore“ etwas kräftiger. Aromen: Kirsche, Pflaume, Veilchen, Kräuter, manchmal Lakritz. Ein preiswerter Essenswein zu Pizza, Pastagerichten, gegrilltem Gemüse und Schwein. Gut, um zu spüren, wie Sangiovese in Cuvées Spannung stiftet.

19. Colli di Luni Rosso DOC – Grenzgänger Ligurien/Toskana

An der Nordgrenze der Toskana trifft ligurische Frische auf toskanische Herzhaftigkeit. Colli di Luni Rosso basiert häufig auf Sangiovese, ergänzt durch lokale Sorten. Typisch sind rote Kirsche, Kräuter der Macchia, Salzbrise und ein herrlich trinkiger Stil. Ausbau: Edelstahl oder großes Holz; Barrique seltener. Kulinarisch: Focaccia, Pesto-Gerichte (ohne Käse im Pesto), Kaninchen ligure, gegrillte Sardinen – die frische Säure verbindet Land und Meer.

20. San Gimignano Rosso DOC – mehr als nur Vernaccia-Land

San Gimignano ist für weißen Vernaccia bekannt, doch der Rosso (mit Sangiovese als Basis) zeigt, wie die Hügellandschaft auch rote, kirschig-würzige Weine hervorbringt. Stil: mittelgewichtig, feine Säure, moderate Tannine, duftige Kräuter und manchmal eine Eisen-/Blutnote vom Boden. Ideal für die regionale Küche: Crostini, Ribollita, Wildschweinsugo, gereifter Pecorino. Ein unterschätzter Wein für alle, die Vielfalt jenseits der „großen Drei“ suchen.

21. Toscana IGT & „Supertuscans“ – Freiheit mit Statement

Unter Toscana IGT dürfen Winzer frei komponieren: reinsortige Sangiovese, Lagenweine ohne DOCG-Korsett oder Cuvées mit Cabernet, Merlot, Syrah. Daraus entstehen „Supertuscans“ in rot wie auch Rosato: dunklere Frucht, Barrique-Würze, seidigere Tannine – solange Sangiovese die Säure- und Aromenspur hält. Das Feld reicht von zugänglichen Frühtankern bis zu ikonischen, sammelwürdigen Lagenweinen. Kauf-Tipp: auf Herkunft (Einzellage? Höhe?), Ausbau (Anteil neues Holz?) und Produzentenstil achten. Foodpairings: Steak, geschmortes Rind, Trüffel-Pasta, gereifte Käse.

22. Sangiovese Rosato – die duftige, salzige Seite

Rosato aus Sangiovese spielt seine Säure und rote Frucht perfekt aus: Erdbeere, Kirsche, Grapefruitzeste, Kräuter, oft eine salzige, zitrische Kühle. Ausbau meist im Edelstahl, sehr selten Fass. Stil: trocken, knackig, gastronomisch enorm vielseitig. Er passt zu Antipasti, Salaten, frittierten Meeresfrüchten, Pizza Marinara, gegrilltem Gemüse – und ist ein genialer Sommerwein. Achte auf Jahrgangsfrische und moderate Alkoholgrade (12–13 % vol) für maximalen Trinkfluss.

23. Sangiovese als Schaumwein – rar, aber reizvoll

Selten, doch es gibt sie: frizzante oder metodo-classico Perlen auf Sangiovese-Basis, meist rosato. Die Sorte bringt rote Frucht, hoher Säurepuffer sorgt für Frische. Metodo classico gewinnt Hefenoten (Brioche, Nuss), bleibt aber tänzelnd und rotfruchtig. Ein schöner Aperitif zu Salzmandeln, Oliven, frittierten Antipasti, Sushi vegetarisch. Keine klassische Hauptkategorie, aber ein Blick wert, wenn Du Vielfalt liebst.

24. Süß & Oxidativ – Vin Santo Occhio di Pernice

„Occhio di Pernice“ ist eine Vin-Santo-Variante, bei der hauptsächlich rote Trauben – in der Toskana häufig Sangiovese – getrocknet und lange oxidativ gereift werden. Das ergibt bernsteinfarbene, komplexe Süßweine mit Noten von Trockenfrüchten, Karamell, Nüssen, Orangenzeste, Tee und Gewürzen; die Säure des Sangiovese hält das Ganze in Balance. Serviert leicht gekühlt in kleinen Gläsern zu Cantuccini, Blauschimmelkäse oder Foie gras ist das ein emotionales Finale. Rar, teuer, aber unvergesslich.

25. Sangiovese weltweit – Neue Welten, alte DNA

Außerhalb Italiens findest Du Sangiovese in Kalifornien (Sonoma, Paso Robles), Washington, Oregon, Australien (McLaren Vale, King Valley), Argentinien, Brasilien und auf Korsika (als Niellucciu verwandt). Stile variieren: wärmere Regionen bringen mehr dunkle Frucht und süßere Tannine, kühle Standorte halten die Kirsche frisch und die Säure wach. Häufig wird Sangiovese mit Cabernet/Merlot verschnitten, um Struktur zu runden. Gute Beispiele bleiben dem italienischen Kern treu: Kirsche, Kräuter, klare Säure. Für Dich spannend, wenn Du die Rebsorte im internationalen Gewand erleben willst – und um zu sehen, wie Terroir die DNA in neue Dialekte übersetzt.

Tabelle (ABC): Sangiovese-Weine, Stilprofil & Pairing

Wein (ABC) Herkunft Anteil Sangiovese Stilprofil (kurz) Foodpairing
Brunello di Montalcino Toskana (Montalcino) 100 % Tief, straff, langlebig; Kirsche, Tabak, Leder Wild, Lamm, Trüffel, Hartkäse
Carmignano Toskana (Prato) Basis + Cabernet/Merlot Klassisch-modern, cassiswürzig, seidig Steak, Wildgeflügel, Pecorino
Chianti (DOCG) Toskana (div. Subzonen) ≥70 % Kirschig, würzig, trinkig Pizza, Pasta, Geflügel
Chianti Classico Toskana (Classico-Zone) ≥80 % Duftig, salzig, elegantes Tannin Bistecca, Pilze, Pecorino
Chianti Classico Gran Selezione Toskana hoch/reinsortig Einzellage, Tiefe, Länge Schmorgerichte, Trüffel
Chianti Riserva Toskana hoch Reifer, würziger, polierter Rinderbacke, Lamm
Colli di Luni Rosso Ligurien/Toskana hoch Kühl, kräutrig, salzig Focaccia, Kaninchen ligure
Maremma Toscana Rosso Toskana (Küste) variabel Mediterran, würzig, saftig Grill, Pasta al Ragù
Montecucco Sangiovese Toskana (Amiata) 90–100 % Kraft + Frische, Graphit Wildschwein, Pilzrisotto
Montefalco Rosso Umbrien Basis + Sagrantino/Merlot Dunkler, würziger, griffig Salsiccia, Polenta
Morellino di Scansano Toskana (Maremma) 85–100 % Sonnig, weichere Tannine Pizza Diavola, Grillrind
Orcia Rosso Toskana (Orcia) hoch Straff, karg, steinig Ribollita, Lamm
Romagna Sangiovese Emilia-Romagna hoch Hell, energiegeladen, pfeffrig Piadina, Lasagne
Rosato di Sangiovese Mittelitalien variabel Trocken, zitrisch-salzig Fritto misto, Salate
Rosso di Montalcino Toskana (Montalcino) 100 % Fruchtig, präzise, früh trinkbar Tomaten-Pasta, Hähnchen
Rosso di Montepulciano Toskana (Montepulciano) hoch Kühl, kirschig, duftig Antipasti, Pizza
Rosso Piceno Marken variabel Kirsche + Fülle (mit Montepulciano) Schwein, Pasta
San Gimignano Rosso Toskana hoch Mittelgewichtig, würzig Crostini, Wildschweinragù
Supertuscan (Sangiovese-basiert) Toskana (IGT) variabel Lagen-/Barrique-Stil, seidig Steak, gereifte Käse
Torgiano Rosso Riserva Umbrien Basis Klassisch, gereift, würzig Schmorgerichte, Kalb
Vin Santo Occhio di Pernice Toskana häufig Sangiovese Süß, oxidativ, komplex Cantuccini, Blauschimmel
Vino Nobile di Montepulciano Toskana ≥70 % (Prugnolo) Seidig, seriös, lagerfähig Pici al Ragù, Lamm

 

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