Wie viele Päpste gab es bisher und wie heißen sie?

Die römischen Bischöfe – besser bekannt als Päpste – stehen seit fast zwei Jahrtausenden an der Spitze der katholischen Kirche. Ihren Ursprung führen sie auf den Apostel Petrus zurück, den Du als ersten Papst kennst. Seit Petrus’ Zeit hat es über 260 Päpste gegeben; Papst Franziskus war etwa der 266. in dieser Reihe. Doch immer wieder stellten sich rivalisierende Anwärter – sogenannte Gegenpäpste – gegen den legitimen Amtsinhaber. Diese Gegenpäpste wurden oft von mächtigen Parteien unterstützt, galten aber rückblickend als unrechtmäßige Prätendenten. Bis ins 15. Jahrhundert traten insgesamt rund 30–40 Gegenpäpste auf. In diesem Text wirst Du die wichtigsten Epochen der Papstgeschichte kennenlernen – von den Anfängen im antiken Rom über mittelalterliche Machtkämpfe bis zur modernen Zeit. Dadurch erkennst Du, wie eng die Geschichte der Päpste mit der allgemeinen Weltgeschichte verknüpft ist und welche bemerkenswerten Entwicklungen es gab.

wie-viele-paepste-gab-es-bisher-und-wie-heissen-sie-690x460 Wie viele Päpste gab es bisher und wie heißen sie?

Wie viele Päpste gab es bisher und wie heißen sie?

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Anfänge: Petrus und die frühe Kirche
  2. Konstantinische Wende und Machtzuwachs
  3. Frühmittelalter: Mission und Aufbau der Kirche
  4. Der Kirchenstaat und das mittelalterliche Papsttum
  5. Krise im 10. Jahrhundert: „Pornokratie“ und Kaiser
  6. Gregorianische Reform und Investiturstreit
  7. Höhepunkt der päpstlichen Macht im 13. Jahrhundert
  8. Avignon und das Abendländische Schisma
  9. Renaissance-Päpste und Reformation
  10. Gegenreformation und Barockzeit
  11. Revolution, Verlust der Staaten und Moderne
  12. 20. und 21. Jahrhundert: Weltkirche und Konzilien

1. Die Anfänge: Petrus und die frühe Kirche

Du weißt sicher, dass laut katholischer Überlieferung Petrus in Rom wirkte und dort als erster Bischof von Rom starb. In dieser Anfangszeit (1.–3. Jahrhundert) war das Christentum noch illegal und wurde zeitweise grausam verfolgt. Die Gemeinschaften trafen sich oft im Verborgenen, etwa in Katakomben. Historisch ist nur lückenhaft dokumentiert, ob in den ersten rund 200 Jahren wirklich jeweils ein einzelner Bischof in Rom die Gemeinde leitete oder ob ein Ältestenrat die Führung teilte. Traditionell wird aber gelehrt, dass bereits damals jeder Gemeinde ein einziger Oberhirte vorstand. Linus, Anakletus und Clemens I. werden als direkte Nachfolger des Petrus genannt. Einige frühe Päpste wurden später heiliggesprochen; fast alle erlitten der Überlieferung nach das Martyrium. Schon zu dieser Zeit kannst Du Konflikte erkennen, etwa verschiedene Lehrmeinungen und lokale Gegenbewegungen, auch wenn Gegenpäpste als solche erst später auftauchten.

2. Konstantinische Wende und Machtzuwachs

Im 4. Jahrhundert erlebst Du einen dramatischen Wandel: Kaiser Konstantin der Große gewährt den Christen im Jahr 313 durch die Mailänder Vereinbarung Religionsfreiheit. Das zuvor verfolgte Christentum wird schlagartig zur anerkannten Religion – schließlich sogar zur Staatsreligion im Römischen Reich. Für das Papsttum bedeutet diese Konstantinische Wende enormen Machtzuwachs. Der Bischof von Rom tritt nun offen in Erscheinung und übernimmt eine führende Rolle in der gesamten Kirche. Silvester I. war Papst zur Zeit Konstantins; Legenden besagen, Konstantin habe ihn reich beschenkt (Stichwort „Konstantinische Schenkung“, ein später als Fälschung entlarvtes Dokument). Im 5. Jahrhundert beginnt sich der Titel Papa (Vater) für den römischen Bischof durchzusetzen. Päpste wie Leo I. der Große (440–461) treten nun auch politisch hervor. Leo I. verhandelte mit Hunnenkönig Attila und bewahrte Rom vor der Zerstörung. Du siehst: Der Papst wird jetzt als geistliches und weltliches Oberhaupt immer wichtiger.

3. Frühmittelalter: Mission und Aufbau der Kirche

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches (476 n. Chr.) führt Dich die Papstgeschichte ins Frühmittelalter. Rom selbst verlor an politischer Bedeutung, doch die Päpste gewannen als geistliche Autoritäten weiter Ansehen. Viele germanische Völker traten zum Katholizismus über – oft dank missionierender Mönche und der Unterstützung der Päpste. Gregor I. der Große (590–604) etwa schickte Missionare nach England und gilt als einer der Kirchenväter. Er verbesserte die Verwaltung der kirchlichen Güter und sorgte in Rom für die Armen – stelle Dir vor, wie er sogar persönlich Getreide an Bedürftige verteilte, während Seuchen und Hungersnöte die Stadt plagten. In dieser Epoche prägten die Päpste die Form der Liturgie (Gregor I. förderte z. B. den nach ihm benannten gregorianischen Choral) und festigten die Hierarchie der Kirche. Gleichzeitig kämpften sie gegen Häresien. Noch immer musste jeder Papst in Konstantinopel beim (ost-)römischen Kaiser um Bestätigung bitten, was manchmal zu langen Vakanzen führte. Du erkennst, dass das Papsttum in dieser Zeit zwar spirituell einflussreich war, politisch aber noch von anderen Mächten abhängig blieb.

4. Der Kirchenstaat und das mittelalterliche Papsttum

Im 8. Jahrhundert verändert sich die Lage erneut: Der Papst löst sich zunehmend von byzantinischer Kontrolle und wendet sich den Frankenkönigen zu. Hier kommst Du zur Gründung des sogenannten Kirchenstaates. Papst Stephan II. bat den Frankenkönig Pippin um Hilfe gegen die Langobarden. Pippin schenkte dem Papst daraufhin um 754 Ländereien in Italien (die Pippinische Schenkung). So wurde der Papst nicht nur geistliches Oberhaupt, sondern auch weltlicher Fürst über Gebiete in Mittelitalien. Diese päpstliche Unabhängigkeit festigte sich weiter, als Leo III. im Jahr 800 Karl den Großen zum Kaiser krönte. Stell Dir vor, welche Signalwirkung das hatte: Der Papst verleiht dem mächtigsten Herrscher Europas die Kaiserwürde. Im Hochmittelalter bauten die Päpste ihre Autorität über die gesamte lateinische Christenheit aus. Dabei kam es aber auch zu Konflikten: Im Jahr 867 brach zwischen Rom und Konstantinopel erstmals ein größeres Zerwürfnis aus (Vorzeichen des späteren Ost-West-Schismas 1054). Trotzdem galt der Papst im Westen als oberster Richter in Glaubensfragen, und mancher Papst focht Machtkämpfe mit lokalen Bischöfen oder Fürsten aus. Die Grundlage für den Führungsanspruch des Papstes – die sogenannte apostolische Sukzession von Petrus – war nun unumstritten.

5. Krise im 10. Jahrhundert: „Pornokratie“ und Kaiser

Wenn Du ins 10. Jahrhundert blickst, bemerkst Du eine schwere Krise des Papsttums. Adelsfamilien in Rom rangen um die Kontrolle über den Papstthron. In dieser Phase – spöttisch Saeculum Obscurum (dunkles Zeitalter) genannt – bestimmten weltliche Herrscher und sogar Mätressen die Papstwahl. Die berüchtigte römische Adlige Marozia etwa setzte ihren Sohn als Johannes XI. (931–935) ein. Diese Zeit wird auch als „Pornokratie“ bezeichnet, weil der moralische Verfall im Papsthof angeblich hoch war. Das Papstamt verlor viel Ansehen. In Deinem Geschichtsbuch würdest Du eine rasche Abfolge kurzlebiger Päpste sehen, teils gewaltsam abgesetzt. So gab es in den Jahren 896–904 gleich fünf Päpste hintereinander! Auch Gegenpäpste traten auf, oft unterstützt von rivalisierenden Adelsgruppen. Erst mit Eingreifen der Ottonen (deutscher Kaiser) stabilisierte sich die Lage. Kaiser Otto I. ließ 963 Papst Johannes XII. absetzen und ersetzte ihn durch Leo VIII. – was jedoch selbst eine irreguläre Aktion war, da Johannes XII. im Amt war. Kurzzeitig existierten dadurch sogar zwei rivalisierende Päpste. Diese Episode zeigt Dir, wie fremde Herrscher nun direkten Einfluss nahmen. Insgesamt zeichnet sich das 10. Jahrhundert durch Wirren und den Ruf nach Reformen aus, die bald folgen sollten.

6. Gregorianische Reform und Investiturstreit

Im 11. Jahrhundert tritt eine Erneuerungsbewegung in der Kirche auf, die auch Dich beeindrucken wird: die Gregorianische Reform. Päpste wie Leo IX. und vor allem Gregor VII. (1073–1085) wollten die Kirche von weltlichen Einflüssen befreien. Du kennst vielleicht den Begriff Investiturstreit: Er bezeichnet den Konflikt zwischen Papst und Kaiser darum, wer Bischöfe einsetzen darf. Gregor VII. verbot simonistische Praktiken (Ämterkauf) und das Einsetzen von Bischöfen durch Laienherrscher. Kaiser Heinrich IV. war darüber so erbost, dass er Gregor absetzte – doch Gregor reagierte mit dem Kirchenbann über den Kaiser. Stell Dir die dramatische Szene von 1077 in Canossa vor: Der exkommunizierte Heinrich steht barfuß im Schnee und bittet den Papst um Vergebung. Gregor VII. vergab zwar, doch der Machtkampf war noch nicht entschieden. Während dieser Auseinandersetzung unterstützte Heinrich IV. einen Gegenpapst (Clemens III.), der Gregor VII. zeitweise aus Rom verdrängte. Am Ende setzten sich die Reformpäpste durch: 1122, beim Wormser Konkordat, einigt man sich, dass geistliche Investitur Sache der Kirche ist. Die Papstautorität erreichte durch diese Reformen ein neues Hoch – nun konnte kein weltlicher Fürst Dir mehr vorschreiben, wer Papst wird oder welche Macht er hat.

7. Höhepunkt der päpstlichen Macht im 13. Jahrhundert

Im 12. und 13. Jahrhundert entfaltete das Papsttum seine größte mittelalterliche Machtfülle. Innozenz III. (1198–1216) etwa nannte sich Vikarin Christi (Stellvertreter Christi) und mischte in die Politik aller christlichen Reiche Europas aktiv ein. Er leitete sogar Kreuzzüge ein und beherrschte Rom sowie den Kirchenstaat souverän. Du wirst feststellen, dass zu dieser Zeit kaum ein König den Anweisungen aus Rom offen widerstehen konnte. Innozenz III. exkommunizierte zum Beispiel den englischen König Johann ohne Land und belegte England mit dem Interdikt, bis der König nachgab. Auch rief Innozenz III. 1215 das Vierte Laterankonzil ein, das wichtige kirchliche Reformen beschloss. Doch nach Innozenz’ Tod geriet das Papsttum in neue Konflikte mit den staufischen Kaisern (etwa Friedrich II.). Die Päpste versuchten, die weltliche Macht der Kaiser einzuschränken, und zeitweise standen sie an der Spitze von Koalitionen gegen die Staufer. Bonifatius VIII. (Papst 1294–1303) proklamierte 1302 in der Bulle Unam Sanctam sogar, dass jede weltliche Gewalt der geistlichen untergeordnet sei. Das war der Anspruch: Du merkst, der Papst sah sich als oberste Autorität auf Erden. Doch diese Epoche endete in einer erneuten Krise, als sich französische Könige gegen die päpstliche Allmacht stellten.

8. Avignon und das Abendländische Schisma

Im 14. Jahrhundert gerät das Papsttum erneut in schwieriges Fahrwasser. Der französische König Philipp IV. zwang 1309 den Papsthof, von Rom ins südfranzösische Avignon umzuziehen. Diese Avignonesische Gefangenschaft dauerte fast 70 Jahre: Mehrere Päpste (allesamt Franzosen) residierten in Avignon und gerieten unter Einfluss der französischen Krone. Stell Dir vor, wie die gläubigen Zeitgenossen das empfanden – der „Bischof von Rom“ regiert nicht aus der Ewigen Stadt, sondern aus Frankreich! Um 1377 kehrte Papst Gregor XI. schließlich nach Rom zurück. Doch kurz darauf brach das große Abendländische Schisma (1378–1417) aus. Ursache war eine chaotische Papstwahl 1378: Nach Gregors Tod wählte man unter Druck des römischen Volkes Urban VI. zum Papst. Dieser machte sich jedoch viele Feinde, so dass ein Teil der Kardinäle ihn für unrechtmäßig erklärte und kurzerhand einen Gegenpapst kürte – Clemens VII., der zurück nach Avignon ging. Plötzlich gab es zwei Päpste gleichzeitig, jeder mit eigenen Anhängern in den Ländern Europas. Die eine Hälfte der Christenheit gehorchte dem Papst in Rom, die andere dem Papst in Avignon. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde es noch schlimmer: Ein Konzil in Pisa wählte 1409 einen dritten Papst (Alexander V.), in der Hoffnung, die anderen würden zurücktreten – doch keiner wich. Jetzt stell Dir die Verwirrung vor: drei rivalisierende Päpste, jeder exkommuniziert die anderen. Erst das Konzil von Konstanz (1414–1418) beendete das Schisma. Es setzte die Gegenpäpste ab bzw. bewegte sie zum Verzicht und wählte Martin V. als alleinigen Papst. Die Einheit der Kirche war damit mühsam wiederhergestellt, aber das Ansehen des Papsttums hatte gelitten. Nie wieder danach sollte es mehr als einen allgemein anerkannten Papst gleichzeitig geben.

9. Renaissance-Päpste und Reformation

Kaum war das Schisma überstanden, kam eine neue Blüte – aber auch neue Kritik. Im 15. und frühen 16. Jahrhundert regierten die Renaissance-Päpste in Rom. Sie förderten Kunst und Wissenschaft: Du kennst sicher die Werke Michelangelos oder Raphaels in der Sixtinischen Kapelle und im Vatikan – all dies entstand unter Päpsten wie Sixtus IV. und Julius II.. Als mächtige Fürsten führten diese Päpste Kriege, schlossen Bündnisse und lebten prunkvoll. Sie verhielten sich oft wie weltliche Renaissance-Monarchen. Alexander VI. Borgia (1492–1503) etwa ist berüchtigt für Nepotismus und Ausschweifungen. Du fragst Dich vielleicht, wie das mit der geistlichen Rolle vereinbar war – tatsächlich rief das skandalöse Treiben mancher Renaissance-Päpste bei vielen Gläubigen Empörung hervor. Gleichzeitig erreichte die päpstliche Machtpolitik aber auch Erfolge: Papst Julius II. erweiterte die Kontrolle über Mittelitalien und begründete die Schweizergarde. Doch die Ausgaben für Kunstprojekte und Kriege leerten die Kassen. So griff Papst Leo X. zu umstrittenen Mitteln wie dem Ablasshandel, um Geld aufzutreiben. Genau das löste die Reformation aus: 1517 kritisierte Martin Luther den Ablasshandel vehement. Zunächst unterschätzten Leo X. und sein Nachfolger Clemens VII. die Gefahr. Bald jedoch breitete sich die Reformation in Nordeuropa aus – viele Christen, vielleicht auch Du an ihrer Stelle, stellten die Autorität des Papstes in Frage. 1521 exkommunizierte Leo X. Luther, doch damit war die Spaltung nicht mehr aufzuhalten. Die Renaissance-Päpste hatten durch ihre Weltlichkeit viel Kredit verspielt, und nun stand das Papsttum vor der größten religiösen Krise seiner Geschichte.

10. Gegenreformation und Barockzeit

Die Antwort der katholischen Kirche auf die Reformation ließ nicht lange auf sich warten. Mitte des 16. Jahrhunderts begann die Gegenreformation, wesentlich gelenkt von energischen Päpsten. Paul III. berief 1545 das Konzil von Trient ein, auf dem über fast 20 Jahre die Lehren der Kirche geklärt und Reformen beschlossen wurden. Du hättest auf diesem Konzil erlebt, wie sich die Kirche innerlich erneuert: Der Ablassmissbrauch wurde abgestellt, die Priesterausbildung verbessert und disziplinarische Missstände korrigiert. Die Päpste der Barockzeit – etwa Pius V., ein ehemaliger Inquisitor, und Gregor XIII., der den Gregorianischen Kalender einführte – achteten streng auf die Umsetzung der Trienter Beschlüsse. Missionare (z. B. Jesuiten) unter päpstlichem Segen reisten in ferne Kontinente, um neue Gläubige zu gewinnen. Gleichzeitig festigte Rom seinen kunstsinnigen Glanz: Barocke Basiliken und Plätze entstanden unter Papst Urban VIII. und Innozenz X.. Allerdings kämpften die Päpste weiterhin mit weltlichen Herrschern um Einfluss. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) etwa versuchten die Päpste diplomatisch einzugreifen, doch die katholischen Könige hörten mehr auf ihre Staatsräson als auf Rom. Für Dich als Beobachter wird deutlich: In Glaubensfragen blieb der Papst jetzt unangefochtenes Oberhaupt der katholischen Kirche, aber politisch mussten die Päpste im Konzert der absolutistischen Mächte mitspielen. Dennoch galt mancher Papst, wie Benedikt XV. später im Ersten Weltkrieg, als „Friedenspapst“ und moralische Instanz inmitten europäischer Konflikte.

11. Revolution, Verlust der Staaten und Moderne

Das späte 18. und 19. Jahrhundert stellten das Papsttum vor neue Herausforderungen. Die Aufklärung und insbesondere die Französische Revolution von 1789 brachten antiklerikale Strömungen mit sich. Du würdest in dieser Phase erleben, wie Papst Pius VI. 1798 von Napoleons Truppen gefangen genommen und der Kirchenstaat zeitweise aufgelöst wurde. Sein Nachfolger Pius VII. exkommunizierte Napoleon sogar, wurde aber ebenfalls zeitweilig inhaftiert. Zwar erhielten die Päpste nach Napoleons Sturz ihre Gebiete zurück, doch 1870 kam der endgültige Einschnitt: Im Zuge der italienischen Einigung besetzte das Königreich Italien Rom. Pius IX., der am längsten regierende Papst aller Zeiten (1846–1878), verlor den Kirchenstaat und verkroch sich als „Gefangener im Vatikan“. Er reagierte, indem er 1870 auf dem Ersten Vatikanischen Konzil das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit in Glaubensfragen verkünden ließ – ein symbolischer Akt der Machtdemonstration. Stell Dir vor, wie umstritten das war: Einige sahen darin eine trotzige Antwort auf den Machtverlust. Die Päpste zogen sich nun auf die geistliche Autorität zurück. Erst 1929 schloss der Heilige Stuhl mit Italien die Lateranverträge, die den unabhängigen Staat Vatikanstadt schufen. Damit arrangierte sich das Papsttum mit der modernen Welt von Nationalstaaten. Im 19. Jahrhundert begannen die Päpste außerdem, sich globaler zu orientieren: Sie sandten Delegaten in die ganze Weltkirche und äußerten sich zu sozialen Fragen (Leo XIII. veröffentlichte 1891 die berühmte Sozialenzyklika Rerum Novarum). Die Papstgeschichte tritt damit endgültig in die Moderne ein, in der Du sie bis heute erlebst.

12. 20. und 21. Jahrhundert: Weltkirche und Konzilien

Im 20. Jahrhundert wandelt sich das Papsttum weiter von einer europäischen Institution zu einem weltweiten moralischen Führungsamt. Benedikt XV. (1914–1922) appellierte während des Ersten Weltkriegs an die Mächte für Frieden. Sein Nachfolger Pius XI. musste in den 1920ern und 30ern mit aufkommenden Diktaturen umgehen – er verurteilte sowohl den Nationalsozialismus als auch den Kommunismus. Pius XII. führte die Kirche durch den Zweiten Weltkrieg, blieb aber umstritten wegen seines Schweigens zum Holocaust. Nach dem Krieg öffneten sich die Fenster der Kirche sprichwörtlich: Johannes XXIII. berief 1962 das Zweite Vatikanische Konzil ein, das umfassende Reformen brachte (zum Beispiel Gottesdienste in Landessprachen). Vielleicht hast Du selbst von diesem Konzil gehört, das bis 1965 dauerte und die katholische Kirche modernisierte. Johannes Paul II. (1978–2005), der erste nicht-italienische Papst seit Jahrhunderten, reiste als „Pilgerpapst“ um den Globus und spielte eine wichtige Rolle im Fall des Eisernen Vorhangs. Mit Benedikt XVI. trat 2013 erstmals seit über 700 Jahren ein Papst freiwillig zurück. Sein Nachfolger Franziskus – ein Argentinier – war der erste Papst aus Amerika und sorgte mit seiner bodenständigen Art für frischen Wind. Und seit Mai 2025 hat die Kirche mit Leo XIV. erstmals einen US-Amerikaner als Papst. Du siehst: Die Geschichte des Papsttums ist lebendig wie eh und je. Trotz mancher Krisen haben die Päpste ihre religiöse Autorität bewahrt und die Ausrichtung der katholischen Kirche bis in die Gegenwart geprägt.

Tabelle aller Päpste und Gegenpäpste

Name Amtszeit Hinweis
Petrus 33–67  
Linus 67–79  
Anakletus (Kletus) 79–88  
Clemens I. 88–97  
Evaristus 97–105  
Alexander I. 105–115  
Sixtus I. 115–125  
Telesphorus 125–136  
Hyginus 136–140  
Pius I. 140–154  
Anicetus 155–166  
Soter 166–175  
Eleutherus 175–189  
Viktor I. 189–199  
Zephyrinus 199–217 Möglicher Gegenpapst: Natalis
Natalis (Gegenpapst) um 200 Gegenpapst zu Zephyrinus
Callixt I. 217–222 Gegenpapst: Hippolyt
Hippolyt (Gegenpapst) 217–235 Gegenpapst während Calixt I. – Pontianus
Urban I. 222–230  
Pontianus 230–235  
Anterus 235–236  
Fabianus 236–250  
Cornelius 251–253 Gegenpapst: Novatian
Novatian (Gegenpapst) 251–258 Gegenpapst zu Cornelius
Lucius I. 253–254  
Stephan I. 254–257  
Sixtus II. 257–258  
Dionysius 259–268  
Felix I. 269–274  
Eutychianus 275–283  
Caius (Gaius) 283–296  
Marcellinus 296–304  
Marcellus I. 308–309  
Eusebius 309 Gegenpapst: Heraklius
Heraklius (Gegenpapst) 309–310 Gegenpapst zu Eusebius
Miltiades 311–314  
Silvester I. 314–335  
Markus 336  
Julius I. 337–352  
Liberius 352–366 Gegenpapst: Felix II.
Felix II. (Gegenpapst) 355–365 Gegenpapst zu Liberius
Damasus I. 366–384 Gegenpapst: Ursinus
Ursinus (Gegenpapst) 366–367 Gegenpapst zu Damasus I.
Siricius 384–399  
Anastasius I. 399–401  
Innozenz I. 401–417  
Zosimus 417–418  
Bonifatius I. 418–422 Gegenpapst: Eulalius
Eulalius (Gegenpapst) 418–419 Gegenpapst zu Bonifatius I.
Coelestin I. 422–432  
Sixtus III. 432–440  
Leo I. (der Große) 440–461  
Hilarius 461–468  
Simplicius 468–483  
Felix III. 483–492  
Gelasius I. 492–496  
Anastasius II. 496–498  
Symmachus 498–514 Gegenpapst: Laurentius
Laurentius (Gegenpapst) 498–506 Gegenpapst zu Symmachus
Hormisdas 514–523  
Johannes I. 523–526  
Felix IV. 526–530  
Bonifatius II. 530–532 Gegenpapst: Dioskur
Dioskur (Gegenpapst) 530 Gegenpapst zu Bonifatius II.
Johannes II. 533–535  
Agapitus I. 535–536  
Silverius 536–537  
Vigilius 537–555  
Pelagius I. 556–561  
Johannes III. 561–574  
Benedikt I. 575–579  
Pelagius II. 579–590  
Gregor I. (der Große) 590–604  
Sabinianus 604–606  
Bonifatius III. 607  
Bonifatius IV. 608–615  
Adeodatus I. (Deusdedit) 615–618  
Bonifatius V. 619–625  
Honorius I. 625–638  
Severinus 640  
Johannes IV. 640–642  
Theodor I. 642–649  
Martin I. 649–655  
Eugen I. 654–657  
Vitalianus 657–672  
Adeodatus II. 672–676  
Donus 676–678  
Agatho 678–681  
Leo II. 682–683  
Benedikt II. 684–685  
Johannes V. 685–686  
Conon 686–687  
Sergius I. 687–701 Gegenpäpste: Theodor II. und Paschalis I.
Theodor II. (Gegenpapst) 687 Gegenpapst zu Sergius I.
Paschalis I. (Gegenpapst) 687–692 Gegenpapst zu Sergius I.
Johannes VI. 701–705  
Johannes VII. 705–707  
Sisinnius 708  
Konstantin (Papst) 708–715  
Gregor II. 715–731  
Gregor III. 731–741  
Zacharias 741–752  
Stephan II. 752–757  
Paul I. 757–767  
Konstantin II. (Gegenpapst) 767–768 Gegenpapst nach Paul I.
Philipp (Gegenpapst) 768 Gegenpapst nach Paul I.
Stephan III. 768–772  
Hadrian I. 772–795  
Leo III. 795–816  
Stephan IV. 816–817  
Paschalis I. 817–824  
Eugen II. 824–827  
Valentin (Papst) 827  
Gregor IV. 827–844  
Sergius II. 844–847 Gegenpapst: Johannes (VIII.)
Johannes (Gegenpapst) 844 Gegenpapst zu Sergius II.
Leo IV. 847–855  
Benedikt III. 855–858 Gegenpapst: Anastasius
Anastasius (Gegenpapst) 855 Gegenpapst zu Benedikt III.
Nikolaus I. 858–867  
Hadrian II. 867–872  
Johannes VIII. 872–882  
Marinus I. 882–884  
Hadrian III. 884–885  
Stephan V. 885–891  
Formosus 891–896  
Bonifatius VI. 896  
Stephan VI. 896–897  
Romanus 897  
Theodor II. 897  
Johannes IX. 898–900 Gegenpapst: Sergius (III.)
Sergius III. (als Gegenpapst) 898 Gegenpapst zu Johannes IX.
Benedikt IV. 900–903  
Leo V. 903 Gegenpapst: Christophorus
Christophorus (Gegenpapst) 903–904 Gegenpapst zu Leo V.
Sergius III. 904–911  
Anastasius III. 911–913  
Lando 913–914  
Johannes X. 914–928  
Leo VI. 928  
Stephan VII. 928–931  
Johannes XI. 931–935  
Leo VII. 936–939  
Stephan VIII. 939–942  
Marinus II. 942–946  
Agapetus II. 946–955  
Johannes XII. 955–964  
Leo VIII. 963–965  
Benedikt V. 964  
Johannes XIII. 965–972  
Benedikt VI. 973–974 Gegenpapst: Bonifatius VII.
Bonifatius VII. (Gegenpapst) 974, 984–985 Gegenpapst (zunächst 974, erneut 984–985)
Benedikt VII. 974–983  
Johannes XIV. 983–984  
Johannes XV. 985–996  
Gregor V. 996–999 Gegenpapst: Johannes XVI.
Johannes XVI. (Gegenpapst) 997–998 Gegenpapst zu Gregor V.
Silvester II. 999–1003  
Johannes XVII. 1003  
Johannes XVIII. 1003–1009  
Sergius IV. 1009–1012  
Benedikt VIII. 1012–1024 Gegenpapst: Gregor (VI.)
Gregor (VI.) (Gegenpapst) 1012 Gegenpapst zu Benedikt VIII.
Johannes XIX. 1024–1032  
Benedikt IX. 1032–1048 Drei Pontifikate: 1032–1044, 1045, 1047–1048
Silvester III. 1045 Gegenpapst zu Benedikt IX.
Gregor VI. 1045–1046  
Clemens II. 1046–1047  
Damasus II. 1048  
Leo IX. 1049–1054  
Viktor II. 1055–1057  
Stephan IX. 1057–1058  
Nikolaus II. 1058–1061 Gegenpapst: Benedikt X.
Benedikt X. (Gegenpapst) 1058–1060 Gegenpapst zu Nikolaus II.
Alexander II. 1061–1073 Gegenpapst: Honorius II.
Honorius II. (Gegenpapst) 1061–1064 Gegenpapst zu Alexander II.
Gregor VII. 1073–1085 Gegenpapst: Clemens III.
Clemens III. (Gegenpapst) 1084–1100 Gegenpapst zu Gregor VII. (und Nachfolgern)
Viktor III. 1086–1087  
Urban II. 1088–1099  
Paschalis II. 1099–1118 Gegenpäpste: Theodoricus, Albertus, Silvester IV.
Theodoricus (Gegenpapst) 1100 Gegenpapst zu Paschalis II.
Albertus (Gegenpapst) 1102 Gegenpapst zu Paschalis II.
Silvester IV. (Gegenpapst) 1105–1111 Gegenpapst zu Paschalis II.
Gelasius II. 1118–1119 Gegenpapst: Gregor VIII.
Gregor VIII. (Gegenpapst) 1118–1121 Gegenpapst zu Gelasius II.
Calixt II. 1119–1124  
Honorius II. 1124–1130  
Innozenz II. 1130–1143 Gegenpäpste: Anaklet II., Viktor IV. (1138)
Anaklet II. (Gegenpapst) 1130–1138 Gegenpapst zu Innozenz II.
Viktor IV. (Gegenpapst) 1138 Gegenpapst (Nachfolger von Anaklet II.)
Coelestin II. 1143–1144  
Lucius II. 1144–1145  
Eugen III. 1145–1153  
Anastasius IV. 1153–1154  
Hadrian IV. 1154–1159  
Alexander III. 1159–1181 Gegenpäpste: Viktor IV. (1159), Paschalis III., Calixt III., Innozenz III. (1179)
Viktor IV. (Gegenpapst) 1159–1164 Gegenpapst zu Alexander III.
Paschalis III. (Gegenpapst) 1164–1168 Gegenpapst zu Alexander III.
Calixt III. (Gegenpapst) 1168–1178 Gegenpapst zu Alexander III.
Innozenz III. (Gegenpapst) 1179–1180 Gegenpapst zu Alexander III.
Lucius III. 1181–1185  
Urban III. 1185–1187  
Gregor VIII. 1187  
Clemens III. 1187–1191  
Coelestin III. 1191–1198  
Innozenz III. 1198–1216  
Honorius III. 1216–1227  
Gregor IX. 1227–1241  
Coelestin IV. 1241  
Innozenz IV. 1243–1254  
Alexander IV. 1254–1261  
Urban IV. 1261–1264  
Clemens IV. 1265–1268  
Gregor X. 1271–1276  
Innozenz V. 1276  
Hadrian V. 1276  
Johannes XXI. 1276–1277  
Nikolaus III. 1277–1280  
Martin IV. 1281–1285  
Honorius IV. 1285–1287  
Nikolaus IV. 1288–1292  
Coelestin V. 1294  
Bonifatius VIII. 1294–1303  
Benedikt XI. 1303–1304  
Clemens V. 1305–1314  
Johannes XXII. 1316–1334 Gegenpapst: Nikolaus V.
Nikolaus V. (Gegenpapst) 1328–1330 Gegenpapst zu Johannes XXII.
Benedikt XII. 1334–1342  
Clemens VI. 1342–1352  
Innozenz VI. 1352–1362  
Urban V. 1362–1370  
Gregor XI. 1370–1378  
Urban VI. 1378–1389 Gegenpapst: Clemens VII.
Clemens VII. (Gegenpapst) 1378–1394 Gegenpapst zu Urban VI.
Bonifatius IX. 1389–1404 Gegenpapst: Benedikt XIII.
Benedikt XIII. (Gegenpapst) 1394–1423 Gegenpapst (Avignon) zu Bonifatius IX. u.a.
Innozenz VII. 1404–1406  
Gregor XII. 1406–1415 Gegenpäpste: Benedikt XIII., Alexander V., Johannes XXIII.
Alexander V. (Gegenpapst) 1409–1410 Gegenpapst (Konzil von Pisa)
Johannes XXIII. (Gegenpapst) 1410–1415 Gegenpapst (Konzil von Pisa)
Martin V. 1417–1431 Gegenpäpste: Benedikt XIII. (bis 1423), Clemens VIII.
Clemens VIII. (Gegenpapst) 1423–1429 Gegenpapst zu Martin V.
Benedikt XIV. (Gegenpapst) 1425–1430 Gegenpapst (Aragon, Nachfolger von Clemens VIII.)
Eugen IV. 1431–1447 Gegenpapst: Felix V.
Felix V. (Gegenpapst) 1439–1449 Gegenpapst zu Eugen IV. (letzter historischer Gegenpapst)
Nikolaus V. 1447–1455  
Calixt III. 1455–1458  
Pius II. 1458–1464  
Paul II. 1464–1471  
Sixtus IV. 1471–1484  
Innozenz VIII. 1484–1492  
Alexander VI. 1492–1503  
Pius III. 1503  
Julius II. 1503–1513  
Leo X. 1513–1521  
Hadrian VI. 1522–1523  
Clemens VII. 1523–1534  
Paul III. 1534–1549  
Julius III. 1550–1555  
Marcellus II. 1555  
Paul IV. 1555–1559  
Pius IV. 1559–1565  
Pius V. 1566–1572  
Gregor XIII. 1572–1585  
Sixtus V. 1585–1590  
Urban VII. 1590  
Gregor XIV. 1590–1591  
Innozenz IX. 1591  
Clemens VIII. 1592–1605  
Leo XI. 1605  
Paul V. 1605–1621  
Gregor XV. 1621–1623  
Urban VIII. 1623–1644  
Innozenz X. 1644–1655  
Alexander VII. 1655–1667  
Clemens IX. 1667–1669  
Clemens X. 1670–1676  
Innozenz XI. 1676–1689  
Alexander VIII. 1689–1691  
Innozenz XII. 1691–1700  
Clemens XI. 1700–1721  
Innozenz XIII. 1721–1724  
Benedikt XIII. 1724–1730  
Clemens XII. 1730–1740  
Benedikt XIV. 1740–1758  
Clemens XIII. 1758–1769  
Clemens XIV. 1769–1774  
Pius VI. 1775–1799  
Pius VII. 1800–1823  
Leo XII. 1823–1829  
Pius VIII. 1829–1830  
Gregor XVI. 1831–1846  
Pius IX. 1846–1878  
Leo XIII. 1878–1903  
Pius X. 1903–1914  
Benedikt XV. 1914–1922  
Pius XI. 1922–1939  
Pius XII. 1939–1958  
Johannes XXIII. 1958–1963  
Paul VI. 1963–1978  
Johannes Paul I. 1978  
Johannes Paul II. 1978–2005  
Benedikt XVI. 2005–2013  
Franziskus 2013–2025  
Leo XIV. seit 2025  

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert