Wie wirkt sich bei Wein der Alkoholgehalt auf die Qualität aus?
Der Alkoholgehalt ist ein zentrales Thema, wenn es um Weinqualität, Genuss und sensorische Eigenschaften geht. Viele Weintrinker stellen sich die Frage, ob ein höherer oder niedrigerer Alkoholgehalt tatsächlich etwas über die Qualität eines Weines aussagt und wie sich der Alkoholanteil konkret auf Geschmack, Aroma und Trinkgenuss auswirkt. Dabei existieren viele Mythen und Vorurteile, die sich um die perfekte Alkoholstärke ranken. Manche halten kräftige, alkoholreiche Weine für besonders hochwertig, andere bevorzugen leichte Tropfen und sehen darin die wahre Kunst des Winzers. Tatsächlich ist die Antwort vielschichtig und hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab – angefangen bei der Rebsorte, dem Klima, der Arbeit im Weinberg bis hin zu den Techniken im Keller. Der Alkoholgehalt beeinflusst nicht nur den Körper und das Mundgefühl, sondern auch die Balance zwischen Süße, Säure und Frucht. Zudem spielt er eine wichtige Rolle bei der Lagerfähigkeit und der Harmonie des Weins. In den folgenden Abschnitten erfährst Du, wie der Alkoholgehalt entsteht, wie er verschiedene Aspekte der Qualität beeinflusst und warum es keine pauschale Formel für den „richtigen“ Alkoholgehalt gibt. Lass uns gemeinsam tiefer eintauchen in die Welt des Weins und herausfinden, wie dieses spannende Thema mit Deinen persönlichen Vorlieben und den Maßstäben der Weinwelt zusammenhängt.

Wie wirkt sich bei Wein der Alkoholgehalt auf die Qualität aus?
Inhaltsverzeichnis
- Entstehung des Alkoholgehalts im Wein
- Alkohol und Weinqualität: Mythen und Fakten
- Der Einfluss auf Geschmack und Aromen
- Alkohol als Trägerstoff für Aromen
- Körper und Mundgefühl – die Rolle des Alkohols
- Alkoholgehalt und Balance im Wein
- Säure, Zucker und Alkohol im Zusammenspiel
- Alkohol und die Wahrnehmung von Frucht
- Terroir, Klima und Alkoholwerte
- Alkoholgehalt und Lagerfähigkeit
- Alkoholische Stärke und Stilrichtungen
- Alkohol und Foodpairing: Was passt zusammen?
- Der Trend zu leichten Weinen
- Der Einfluss des Alkoholgehalts auf die Gesundheit
- Fazit: Was bedeutet Qualität im Kontext des Alkoholgehalts?
1. Entstehung des Alkoholgehalts im Wein
Bevor wir uns anschauen, wie der Alkoholgehalt die Qualität eines Weins beeinflusst, solltest Du wissen, wie der Alkohol eigentlich in den Wein kommt. Der entscheidende Moment ist die alkoholische Gärung, bei der Hefen den in den Trauben enthaltenen Zucker in Ethanol und Kohlensäure umwandeln. Der natürliche Zuckergehalt der Trauben hängt wiederum vom Reifegrad, dem Klima und der Rebsorte ab. In wärmeren Weinregionen reifen die Trauben meist besser aus, was zu höheren Zuckergehalten und damit zu potenziell höheren Alkoholwerten im Wein führt. In kühleren Lagen dagegen bleiben die Zuckerwerte oft moderater, was zu eher leichteren Weinen führt. Der Winzer kann den Gärprozess durch verschiedene Methoden beeinflussen, etwa durch Auswahl spezieller Hefestämme oder durch Temperaturkontrolle. Zudem ist es in manchen Ländern erlaubt, den Most vor der Gärung mit Zucker anzureichern – eine Praxis, die als Chaptalisation bekannt ist. Auch umgekehrt gibt es Möglichkeiten, Alkohol aus dem Wein zu entfernen, zum Beispiel durch Verdünnung oder Umkehrosmose. All diese Techniken zeigen: Der Alkoholgehalt ist ein bewusst steuerbarer Faktor, der stark von der Philosophie des Winzers und den natürlichen Gegebenheiten abhängt. Schon an dieser Stelle wird deutlich, dass der Alkoholwert eines Weins mehr als nur eine Zahl auf dem Etikett ist, sondern ein Spiegel der Arbeit im Weinberg und im Keller.
2. Alkohol und Weinqualität: Mythen und Fakten
In der Weinwelt kursieren zahlreiche Meinungen über die Beziehung zwischen Alkoholgehalt und Qualität. Einige Weintrinker verbinden hohe Alkoholwerte mit besonders gehaltvollen, vollmundigen Weinen, während andere darin einen Makel oder sogar ein Qualitätsmanko sehen. Ein häufiger Mythos ist, dass ein Wein mit viel Alkohol automatisch besser ist, weil er „kräftiger“ oder „reifer“ schmeckt. Tatsächlich lässt sich Qualität aber nicht pauschal am Alkoholwert ablesen. Viele der besten und teuersten Weine der Welt bewegen sich im mittleren Alkoholbereich zwischen 12 und 14,5 Prozent. Die Qualität eines Weins bemisst sich vielmehr an seiner Harmonie, Ausgewogenheit und am Zusammenspiel aller Komponenten – dazu zählen Frucht, Säure, Tannine, Süße und eben auch der Alkohol. Ein Wein mit zu wenig Alkohol kann dünn und unausgewogen wirken, ein übermäßig alkoholischer Wein hingegen schnell brandig, schwerfällig oder unausbalanciert. Deshalb achten Winzer und erfahrene Verkoster darauf, dass der Alkohol in das Gesamtbild des Weins passt und weder zu dominant noch zu schwach auftritt. Der ideale Alkoholgehalt ist also immer relativ und vom jeweiligen Weinstil sowie den Erwartungen des Genießers abhängig. Mythen und Vorurteile halten sich dennoch hartnäckig, weil der Alkoholgehalt ein leicht verständliches, auf dem Etikett angegebenes Merkmal ist – doch die wahren Qualitätsmerkmale liegen oft tiefer.
3. Der Einfluss auf Geschmack und Aromen
Der Alkoholgehalt eines Weins beeinflusst maßgeblich, wie Du Geschmack, Aromen und das gesamte Trinkerlebnis wahrnimmst. Alkohol ist nicht nur für das „Brennen“ auf der Zunge oder die wärmende Wirkung im Mund verantwortlich – er wirkt auch als Geschmacksträger. Weine mit einem moderaten Alkoholgehalt präsentieren sich oft harmonisch, frisch und lebendig. Bei Weinen mit hohem Alkoholgehalt können intensive, reife Fruchtnoten, Schmelz und ein volles Mundgefühl auftreten, was bei bestimmten Rebsorten und Stilen durchaus gewünscht ist. Allerdings kippt dieses Gleichgewicht leicht, wenn der Alkohol überhandnimmt: Dann überdeckt er filigrane Aromen, lässt den Wein „heiß“ oder gar scharf erscheinen und verstärkt unangenehme Eindrücke. Vor allem bei Weißweinen kann ein zu hoher Alkoholgehalt die Frische und Fruchtigkeit beeinträchtigen, während Rotweine meist besser mit höheren Werten umgehen. Die sensorische Wahrnehmung ist dabei immer subjektiv. Viele Genießer empfinden einen leichten, fruchtbetonten Wein als angenehmer, während andere kräftige, alkoholreiche Tropfen bevorzugen. Wichtig ist am Ende die Balance: Der Alkohol sollte harmonisch eingebunden sein und sich mit den anderen Elementen des Weins zu einem stimmigen Ganzen verbinden.
4. Alkohol als Trägerstoff für Aromen
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Funktion von Alkohol als Lösungsmittel und Trägerstoff für Aromen. Alkohol kann verschiedene Duft- und Geschmacksstoffe aus der Traubenschale und dem Holz des Fasses lösen, wodurch das Aromenspektrum eines Weins reicher und komplexer wird. Besonders bei Rotweinen sorgt ein gewisser Alkoholgehalt dafür, dass Tannine und Farbstoffe optimal extrahiert werden, was für Struktur und Tiefe sorgt. Auch bei der Reifung auf der Flasche spielt Alkohol eine Rolle, weil viele Aromastoffe erst mit der Zeit und durch die Wechselwirkung mit Alkohol entstehen oder sich entwickeln. Allerdings gibt es eine Grenze: Übersteigt der Alkoholgehalt ein gewisses Maß, werden feine Nuancen und zarte Aromen überdeckt. Der Wein wirkt dann eindimensional oder verliert an Eleganz. Deshalb ist es die Kunst des Winzers, das optimale Maß zu finden. In manchen Regionen – etwa in Süditalien oder Spanien – sind alkoholstärkere Weine traditionell verwurzelt, was auch den regionalen Stil prägt. In kühleren Gebieten wird hingegen oft auf mehr Finesse und Frische geachtet, sodass der Alkoholgehalt niedriger ausfällt. Du siehst: Alkohol ist nicht nur ein betäubender Wirkstoff, sondern spielt auf chemischer und sensorischer Ebene eine entscheidende Rolle für die Vielschichtigkeit und den Charakter eines Weins.
5. Körper und Mundgefühl – die Rolle des Alkohols
Der Alkoholgehalt ist ein Schlüsselfaktor für das Mundgefühl und den sogenannten Körper eines Weins. Man spricht vom „Körper“ eines Weins, wenn es um die Fülle, das Volumen und das Gewicht auf der Zunge geht. Ein Wein mit wenig Alkohol wirkt oft schlank, leicht und unkompliziert, was vor allem im Sommer oder als Aperitif geschätzt wird. Weine mit mittlerem Alkoholgehalt bieten in der Regel mehr Substanz und Präsenz im Mund, ohne schwer zu wirken. Hochalkoholische Weine vermitteln dagegen ein üppiges, fast cremiges Gefühl und werden oft als wuchtig, opulent oder sogar mastig beschrieben. Der Körper eines Weins sollte immer zur Stilistik und zum Anlass passen. Ein schwerer Rotwein mit 15 Prozent Alkohol kann an einem kalten Winterabend wohltuend sein, während am sonnigen Nachmittag ein leichter Weißwein mit 11 Prozent deutlich bekömmlicher ist. Der Alkohol hat also einen erheblichen Einfluss darauf, wie Du einen Wein in verschiedenen Situationen empfindest und genießt. Das richtige Maß hängt nicht zuletzt von Deinen persönlichen Vorlieben und dem gewünschten Kontext ab. Die hohe Kunst besteht darin, dass der Alkoholgehalt zum Charakter des Weins und zum Anlass passt, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.
6. Alkoholgehalt und Balance im Wein
Ein Begriff, der immer wieder im Zusammenhang mit Weinqualität fällt, ist die Balance. Damit ist das harmonische Zusammenspiel aller geschmacklichen Komponenten gemeint – also von Frucht, Säure, Tanninen, Süße und eben Alkohol. Der Alkoholgehalt trägt maßgeblich dazu bei, ob ein Wein ausgewogen und angenehm wirkt oder nicht. Ein zu hoher Alkoholgehalt kann die Frische eines Weins zerstören, das Mundgefühl „brandig“ oder scharf machen und die Fruchtaromen in den Hintergrund drängen. Umgekehrt kann ein zu niedriger Alkoholgehalt dafür sorgen, dass der Wein fade, dünn oder unausgewogen schmeckt. Die perfekte Balance zu finden ist eine große Herausforderung für Winzer. Sie müssen im Weinberg und im Keller darauf achten, dass alle Faktoren ideal aufeinander abgestimmt sind. Auch der Jahrgang spielt eine Rolle, denn in heißen Jahren steigt der Alkoholgehalt oft von Natur aus, während in kühlen Jahren mehr Frische und geringerer Alkohol dominieren. Als Genießer solltest Du darauf achten, dass der Alkohol im Wein nicht hervortritt, sondern sich harmonisch einfügt. Erst dann spricht man von einem wirklich balancierten und qualitativ hochwertigen Wein.
7. Säure, Zucker und Alkohol im Zusammenspiel
Neben dem Alkoholgehalt sind vor allem Säure und Restzucker entscheidend für das Gesamtbild eines Weins. Diese drei Komponenten stehen in einem engen Wechselverhältnis. In süßen Weinen sorgt ein höherer Alkoholgehalt oft für den nötigen Gegenpol zur üppigen Süße, sodass der Wein nicht klebrig oder langweilig wirkt. Bei trockenen Weinen wiederum ist die Balance zwischen Säure und Alkohol wichtig, um Frische und Lebendigkeit zu erhalten. Gerät dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht, kann ein Wein schnell unausgewogen erscheinen. Bei modernen Qualitätsweinen achten Winzer besonders darauf, dass die drei Faktoren optimal aufeinander abgestimmt sind. Besonders in Zeiten des Klimawandels, in denen die Trauben schneller reifen und mehr Zucker einlagern, stehen Winzer vor der Herausforderung, trotzdem noch ausreichend Säure und Frische zu bewahren. Für Dich als Genießer bedeutet das: Wenn ein Wein angenehm rund, frisch und lebendig wirkt und weder der Alkohol noch die Säure oder die Süße hervorsticht, hast Du ein Beispiel für eine gelungene Abstimmung dieser Komponenten vor Dir. Das Zusammenspiel von Alkohol, Säure und Zucker ist ein zentrales Kriterium für die sensorische Qualität und den Trinkfluss eines Weins.
8. Alkohol und die Wahrnehmung von Frucht
Der Alkoholgehalt eines Weins beeinflusst auch, wie Du die Fruchtigkeit und das Aromenspektrum wahrnimmst. Ein mittlerer Alkoholgehalt sorgt oft für eine angenehme Intensität der Fruchtaromen und gibt ihnen Struktur und Ausdruck. Wenn der Alkohol jedoch zu stark in den Vordergrund tritt, werden fruchtige und florale Noten überdeckt, und der Wein verliert an Frische und Vielschichtigkeit. Besonders bei Weißweinen, etwa Riesling oder Sauvignon Blanc, ist eine gewisse Zurückhaltung beim Alkohol wünschenswert, damit die sortentypischen Fruchtaromen voll zur Geltung kommen. Bei Rotweinen wie Shiraz, Primitivo oder Zinfandel kann ein etwas höherer Alkoholgehalt die dunkle Frucht und Würze betonen, ohne dass der Wein aus dem Gleichgewicht gerät – solange die anderen Komponenten mitziehen. Am Ende zählt Deine persönliche Wahrnehmung: Du solltest darauf achten, dass die Fruchtaromen nicht durch einen alkoholischen Nachhall überlagert werden. Ein harmonischer Wein erlaubt es Dir, die Vielfalt der Frucht- und Blütenaromen, aber auch Gewürznoten, Kräuter und Mineralik in vollem Umfang zu erleben.
9. Terroir, Klima und Alkoholwerte
Das Terroir – also das Zusammenspiel aus Boden, Klima, Rebsorte und menschlichem Einfluss – prägt den Charakter eines Weins. Der Alkoholgehalt ist dabei ein direktes Abbild des Terroirs, insbesondere des Klimas. In warmen Regionen wie Süditalien, Südfrankreich, Spanien, Kalifornien oder Australien sind Weine mit 14 bis 16 Prozent Alkohol keine Seltenheit, da die Trauben dort einen hohen Zuckergehalt entwickeln. In kühleren Lagen wie Deutschland, Österreich oder im Norden Frankreichs liegen die Alkoholwerte traditionell niedriger. Winzer, die terroirgeprägte Weine erzeugen wollen, lassen den Alkoholgehalt möglichst natürlich entstehen, ohne künstliche Korrekturen. Moderne Klimaveränderungen stellen die Weinwelt jedoch vor neue Herausforderungen: Die Trauben reifen schneller aus, und selbst klassische „kühle“ Weinbauregionen bringen zunehmend alkoholstarke Weine hervor. Gleichzeitig wächst bei vielen Konsumenten der Wunsch nach leichteren, moderaten Weinen, die den Charakter des Terroirs und der Rebsorte möglichst authentisch widerspiegeln. Das Spannungsfeld zwischen Klima, Terroir, Winzerkunst und Konsumentenwünschen macht die Diskussion um den „richtigen“ Alkoholgehalt besonders spannend. Du kannst die Vielfalt der Stilistiken am besten beim Probieren erleben und so Deinen persönlichen Favoriten entdecken.
10. Alkoholgehalt und Lagerfähigkeit
Ein weiterer Aspekt ist die Lagerfähigkeit von Wein. Der Alkoholgehalt trägt dazu bei, wie lange ein Wein reifen kann, ohne an Qualität zu verlieren. Alkohol wirkt – ähnlich wie Säure und Zucker – konservierend und kann den Reifeprozess positiv beeinflussen. Hochalkoholische Weine, etwa Portwein, Amarone oder Süßweine wie Sauternes, sind bekannt für ihre außerordentliche Lagerfähigkeit und können über Jahrzehnte hinweg Genuss bereiten. Auch kräftige Rotweine mit 14 bis 15 Prozent Alkohol altern oft besonders harmonisch und entwickeln mit der Zeit komplexe Sekundär- und Tertiäraromen. Bei leichten, säurebetonten Weißweinen mit niedrigem Alkoholgehalt liegt die optimale Trinkreife dagegen oft schon wenige Jahre nach der Abfüllung. Hier steht die Frische im Vordergrund, und längeres Lagern kann zum Aromaverlust führen. Für Dich als Weinfreund heißt das: Der Alkoholgehalt gibt einen Hinweis darauf, wie lange Du einen Wein aufbewahren kannst, sollte aber immer im Zusammenspiel mit anderen Faktoren wie Säure, Tannin und Zucker betrachtet werden. Die richtige Lagerfähigkeit hängt letztlich von der Stilistik und dem Qualitätsanspruch des jeweiligen Weins ab.
11. Alkoholische Stärke und Stilrichtungen
Verschiedene Weinstile gehen traditionell mit bestimmten Alkoholgehalten einher. Leichte Sommerweine, etwa Vinho Verde, deutsche Kabinett-Weine oder einfache Rosés, bewegen sich oft im Bereich von 9 bis 11,5 Prozent Alkohol. Sie sind frisch, unkompliziert und besonders beliebt bei heißen Temperaturen oder als Aperitif. Klassische Weißweine, etwa Chardonnay oder Sauvignon Blanc, liegen meist zwischen 12 und 13,5 Prozent, während vollmundige Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah oft 13,5 bis 15 Prozent erreichen. Prädikatsweine mit Restsüße und internationale Weine aus heißen Regionen können die 16-Prozent-Marke überschreiten. Außerdem gibt es Spezialitäten wie Likörweine, die durch Zugabe von Alkohol auf bis zu 20 Prozent aufgespritet werden. Der Alkoholgehalt ist also ein wesentliches Stilmittel und prägt die Bandbreite an Weinen, die Du genießen kannst. Je nach Anlass und persönlichem Geschmack kannst Du Dich für einen leichten, spritzigen oder einen opulenten, alkoholreichen Wein entscheiden. Die Vielfalt der Stilrichtungen macht das Weintrinken so spannend und individuell.
12. Alkohol und Foodpairing: Was passt zusammen?
Beim Foodpairing – also der Kombination von Wein und Speisen – spielt der Alkoholgehalt eine wichtige Rolle. Ein leichter, säurebetonter Wein mit wenig Alkohol passt hervorragend zu zarten Gerichten wie Fisch, Salat oder hellem Geflügel. Diese Weine überlagern das Gericht nicht, sondern unterstreichen seine Feinheit. Kräftige, alkoholreiche Rotweine dagegen harmonieren mit deftigen, aromatischen Speisen wie Wild, Rind, Lamm oder reifem Käse. Der Alkohol hilft dabei, Fett und würzige Aromen zu balancieren, ohne dass der Wein an Ausdruck verliert. Süße Weine mit hohem Alkoholgehalt sind eine ideale Ergänzung zu Desserts oder Blauschimmelkäse. Zu scharfen, sehr würzigen Speisen solltest Du alkoholarme Weine bevorzugen, da hoher Alkohol die Schärfe betonen kann. Mit ein wenig Experimentierfreude findest Du schnell heraus, welche Kombinationen Dir am meisten Freude bereiten. Der Alkoholgehalt beeinflusst somit nicht nur den Genuss des Weins allein, sondern auch das Geschmackserlebnis im Zusammenspiel mit verschiedenen Speisen.
13. Der Trend zu leichten Weinen
In den letzten Jahren ist ein deutlicher Trend zu leichten, moderaten Weinen zu beobachten. Immer mehr Weintrinker schätzen Weine mit weniger Alkohol, weil sie frischer, bekömmlicher und alltagstauglicher wirken. Vor allem in urbanen Regionen und bei jüngeren Konsumenten sind spritzige, leichte Weine gefragt, die man auch problemlos zum Mittagessen oder als Aperitif genießen kann, ohne gleich „schwer im Kopf“ zu werden. Winzer reagieren auf diesen Trend mit gezielten Maßnahmen im Weinberg und Keller: Sie ernten früher, wählen langsam reif
ende Rebsorten und setzen moderne Kellertechnik ein, um den Alkoholgehalt zu begrenzen. Gleichzeitig erleben auch alkoholfreie und alkoholreduzierte Weine eine Renaissance, die den Ansprüchen an Genuss ohne Reue gerecht werden. Dieser Trend zeigt: Qualität wird nicht mehr allein an Kraft und Alkoholstärke gemessen, sondern an Frische, Eleganz und Trinkfluss. Für Dich bedeutet das eine größere Auswahl und die Möglichkeit, für jede Gelegenheit den passenden Wein zu finden – unabhängig vom Alkoholgehalt.
14. Der Einfluss des Alkoholgehalts auf die Gesundheit
Nicht zuletzt spielt der Alkoholgehalt im Wein auch aus gesundheitlicher Sicht eine Rolle. Alkohol ist ein Genussmittel, aber auch ein potenzielles Risiko, wenn er im Übermaß konsumiert wird. Studien zeigen, dass ein moderater Weinkonsum – insbesondere von Rotwein – positive Effekte auf Herz und Kreislauf haben kann, was meist auf antioxidative Inhaltsstoffe wie Resveratrol zurückgeführt wird. Entscheidend ist aber immer die Menge: Schon ein Glas Wein pro Tag kann für manche Menschen zu viel sein, insbesondere bei gesundheitlichen Vorbelastungen. Ein hoher Alkoholgehalt steigert nicht nur den Kalorienwert eines Weins, sondern kann auch die Leber und andere Organe belasten. Deshalb achten immer mehr Genießer auf den Alkoholwert, um bewusst und verantwortungsvoll zu trinken. Alkoholfreie oder alkoholreduzierte Weine bieten eine Alternative für all jene, die den Geschmack schätzen, aber auf Alkohol weitgehend verzichten möchten. Die Qualität eines Weins bemisst sich daher auch daran, wie gut er in einen bewussten, gesunden Lebensstil passt.
15. Fazit: Was bedeutet Qualität im Kontext des Alkoholgehalts?
Am Ende stellt sich die Frage: Ist ein Wein mit mehr Alkohol automatisch hochwertiger? Die Antwort lautet ganz klar: Nein. Der Alkoholgehalt ist ein wichtiger Bestandteil des Gesamterlebnisses, aber kein Qualitätskriterium für sich allein. Ein guter Wein zeichnet sich durch Ausgewogenheit, Harmonie und einen eigenständigen Charakter aus. Der Alkohol sollte die Frucht, die Säure und die anderen Komponenten unterstützen und nicht dominieren. Ob Du einen leichten, frischen Weißwein oder einen vollmundigen, kraftvollen Rotwein bevorzugst, hängt von Deinem Geschmack, dem Anlass und den Speisen ab, die Du dazu genießt. Die beste Qualität erkennst Du daran, dass der Wein ausgewogen, komplex und angenehm zu trinken ist – unabhängig davon, ob er 11 oder 15 Prozent Alkohol enthält. Der richtige Wein für Dich ist der, der Dir Freude bereitet und zu Deinem Lebensstil passt. Die Vielfalt des Weins ermöglicht es Dir, für jede Situation das passende Glas zu finden – und dabei auf Deinen Geschmack und Dein Bauchgefühl zu vertrauen.
Tabelle: Typische Alkoholgehalte ausgewählter Weine
Hier ist die Tabelle mit 50 Weinarten, sortiert von hohem zu niedrigem Alkoholgehalt – so siehst Du auf einen Blick, welche Weine besonders alkoholstark sind und welche eher zu den leichten Tropfen zählen.
| Weinart | Typischer Alkoholgehalt (%) | Stil/Charakteristik |
|---|---|---|
| Sherry (Pedro Ximénez) | 15,5 – 22,0 | Sehr süß, oxidativ, komplex |
| Marsala | 17,0 – 20,0 | Likörwein, süß oder trocken, kräftig |
| Portwein (Ruby/Tawny) | 19,0 – 20,0 | Stark, süß, aromatisch, sehr lagerfähig |
| Süßer Madeira | 17,0 – 19,0 | Kräftig, nussig, süß, oxidativ |
| Banyuls (Süßwein) | 15,0 – 17,0 | Süß, vollmundig, lagerfähig |
| Barossa Shiraz (Australien) | 15,0 – 16,0 | Wuchtig, marmeladig, intensiv |
| Priorat (Spanien) | 15,0 – 16,0 | Sehr kräftig, mineralisch, lagerfähig |
| Châteauneuf-du-Pape | 15,0 – 16,0 | Sehr kraftvoll, würzig, opulent |
| Amarone della Valpolicella | 15,0 – 16,5 | Konzentriert, kraftvoll, leicht süßlich |
| Primitivo/Zinfandel | 14,0 – 16,0 | Üppig, marmeladig, alkoholstark |
| Shiraz/Syrah | 14,0 – 15,5 | Opulent, würzig, kräftig |
| Malbec (Argentinien) | 14,0 – 15,5 | Dunkelfruchtig, kraftvoll, würzig |
| Tannat | 14,0 – 15,5 | Sehr kräftig, tanninreich, wuchtig |
| Cabernet Sauvignon | 13,5 – 15,0 | Kräftig, tanninreich, lagerfähig |
| Merlot | 13,0 – 15,0 | Rund, fruchtig, mittel bis kräftig |
| Grenache/Garnacha | 13,0 – 15,0 | Würzig, fruchtig, kraftvoll |
| Blaufränkisch | 13,0 – 14,5 | Würzig, fruchtig, mittelkräftig |
| Tempranillo (Rioja) | 13,0 – 14,5 | Würzig, kräftig, samtig |
| Cabernet Franc | 13,0 – 14,5 | Würzig, kräutrig, elegant |
| Sauternes (Süßwein) | 13,0 – 14,5 | Süß, komplex, honigartig, botrytisiert |
| Chianti (Sangiovese) | 13,0 – 14,0 | Kräftig, würzig, säurebetont |
| Chenin Blanc | 12,0 – 14,0 | Frisch bis opulent, oft mineralisch |
| Chardonnay (klassisch) | 12,5 – 14,0 | Weich, vollmundig, teils buttrig |
| Sauvignon Blanc | 12,0 – 13,5 | Aromatisch, frisch, grüne Noten |
| Pinot Grigio | 11,5 – 13,5 | Fruchtig, leicht, mineralisch |
| Pinot Blanc | 12,0 – 13,5 | Frisch, feingliedrig, harmonisch |
| Weißburgunder | 12,0 – 13,5 | Nussig, zart, harmonisch |
| Spätburgunder (Pinot Noir) | 12,5 – 13,5 | Elegant, fruchtig, samtig |
| Rosé (Frankreich, Spanien) | 11,5 – 13,0 | Frisch, leicht bis mittelkräftig |
| Chardonnay (leicht) | 12,0 – 13,0 | Frisch, dezent, fruchtig |
| Furmint (Trocken) | 12,0 – 13,0 | Frisch, mineralisch, trocken |
| Soave | 12,0 – 13,0 | Leicht, blumig, fruchtig |
| Lugana | 12,0 – 13,0 | Frisch, cremig, harmonisch |
| Gutedel (Chasselas) | 12,0 – 12,5 | Leicht, fein, nussig |
| Gamay (Beaujolais) | 12,0 – 13,0 | Leicht, fruchtig, frisch |
| Riesling Spätlese (trocken) | 12,0 – 13,0 | Feinfruchtig, mineralisch, balanciert |
| Weissburgunder (leicht) | 11,0 – 12,5 | Zart, nussig, elegant |
| Grüner Veltliner (leicht) | 11,0 – 12,0 | Frisch, würzig, leicht |
| Silvaner | 10,5 – 12,0 | Mild, ausgewogen, dezent aromatisch |
| Prosecco Frizzante | 10,5 – 11,0 | Perlend, leicht, erfrischend |
| Trollinger (Deutschland) | 9,5 – 11,5 | Leicht, frisch, unkompliziert |
| Lambrusco | 9,0 – 11,0 | Perlend, fruchtig, halbtrocken |
| Vinho Verde | 9,0 – 10,5 | Spritzig, sehr leicht, jung |
| Portugieser Weißherbst | 8,5 – 10,0 | Zart, frisch, leicht |
| Deutscher Riesling Kabinett | 8,0 – 10,5 | Leicht, fruchtig, elegant |
| Asti Spumante | 7,0 – 8,0 | Süß, spritzig, fruchtig |
| Clairette de Die | 6,0 – 8,0 | Moussierend, blumig, leicht süß |
| Brachetto d’Acqui | 5,5 – 7,0 | Aromatisch, süß, prickelnd, rot |
| Moscato d’Asti | 5,0 – 6,5 | Süß, perlend, fruchtig, sehr leicht |
| Leichter Federweißer | 3,0 – 5,0 | Frisch, süßlich, prickelnd, jung |
| Alkoholfreier Wein | 0,0 – 0,5 | Fruchtig, leicht, alkoholfrei |
Hinweis:
Die tatsächlichen Alkoholwerte können abhängig von Jahrgang, Herkunft und Ausbau variieren. Die Tabelle zeigt Dir die Vielfalt von kräftigsten bis zu den leichtesten Weinen.






