Welche Kunststoffarten sind am sichersten?

Es ist kein Geheimnis, dass Plastik nicht nur maßgeblich zur Umweltverschmutzung beiträgt, sondern auch eine Gefahr für unsere Gesundheit darstellen kann. Der toxische Kunststoffbaustein BPA zum Beispiel kann unser Hormonsystem stören und daher insbesondere bei Kindern große gesundheitliche Schäden anrichten. Mittlerweile ist die Chemikalie deswegen in einer Reihe von Produkten verboten. Dennoch ist BPA weiterhin in vielen Produkten zu finden, wie beispielsweise Trinkflaschen oder Tupperboxen. Für Verbraucher*innen liegt daher die Frage nah, welche Kunststoffarten am sichersten sind. 

Plastik kann in drei verschiedene Kategorien unterteilt werden: Standardkunststoffe, technische Kunststoffe und Hochleistungskunststoffe. Technische Kunststoffe und Hochleistungskunststoffe werden hauptsächlich in der Industrie verwendet und haben für unseren Alltag eine weniger große Bedeutung. Für ein besseres Verständnis beider Kategorien werden sie im Folgenden kurz beschrieben, bevor wir uns auf die einzelnen Plastikarten innerhalb der Standardkunststoffe konzentrieren. 

Welche Kunststoffarten sind am sichersten?

Welche Kunststoffarten sind am sichersten?

Technische Kunststoffe

Technische Kunststoffe, auch Konstruktionswerkstoffe genannt, besitzen im Vergleich zu Standardkunststoffen bessere mechanische Eigenschaften. Mittlerweile ersetzen sie dank ihrer guten Abriebfestigkeit, der hervorragenden Gleiteigenschaften ihrer Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit sowie ihrer Haltbarkeit viele traditionelle Materialien, wie beispielsweise Metall. Technische Kunststoffe machen etwa 20 % der weltweiten Kunststoffproduktion aus. 

Hochleistungskunststoffe

Wie der Name schon sagt, unterscheiden Hochleistungskunststoffe sich durch außergewöhnliche Eigenschaften von anderen Kunststoff- und Plastikarten. Sie sind extrem belastbar, halten hohe Temperaturen ohne Probleme aus und sind resistent gegen eine Vielzahl von Chemikalien. Ihr Anteil an der Weltkunststoffproduktion liegt allerdings nur bei 0,2 Prozent. Beispiele für Hochleistungskunststoffe sind Polyaryletherketone (PAEK), Polyphenylensulfid (PPS), flüssigkristalline Kunststoffe (LCP) und), Polyimide (PI), wie etwa Vespel Plastik. Hochleistungskunststoffe werden beispielsweise in der Halbleiterindustrie, Medizin, Luft- und Raumfahrt oder Forschung verwendet und müssen daher besonders verlässlich und sicher sein. 

Standardkunststoffe

Mit rund 80 Prozent der weltweiten Kunststoffproduktion bilden Standardkunststoffe die größte Untergruppe. Sie werden für Massenanwendungen in der Verpackungs- und der Konsumgüterindustrie produziert und sind im Vergleich zu anderen Kunststoffen kostengünstig in der Fertigung. 

PET

Allseits bekannt in Form von Wasserflaschen und anderen Verpackungsprodukten ist der thermoplastische Kunststoff PET. Wie alle anderen Arten von Plastik wird auch PET aus Erdöl hergestellt. Dabei wird zunächst wird ein sogenannter Vorformling oder PET-Rohling mithilfe des sogenannten Spritzgießens produziert. Im anschließenden Streckblasverfahren wird er erwärmt und in die richtige Form gepresst. 

PET ist grundsätzlich sicher in der Benutzung, solange es keiner starken Hitze ausgesetzt wird. Denn dabei können toxische Stoffe freigegeben werden, die unserer Gesundheit schaden.

Um die negativen Auswirkungen des Plastiks auf unsere Umwelt so stark wie möglich zu reduzieren, muss PET recycelt werden. Deswegen tragen entsprechende Plastikflaschen oft einen sogenannten Recyclingcode, erkennbar durch das Symbol mit den drei Pfeilen. 

PE (Polyethylen)

Polyethylen ist in vier Haupttypen erhältlich, die unterschiedliche Dichten aufweisen:

  • PE hoher Dichte: PE-HD oder HDPE
  • PE mittlerer Dichte: PE-MD oder MDPE
  • PE niedriger Dichte: PE-LD oder LDPE
  • Lineares PE mit niedriger Dichte: PE-LLD oder LLDPE

PE ist physiologisch unbedenklich und für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet. Im Alltag finden wir PE in Form von Plastiktüten, Haushaltsfolie, Gefrierbeuteln, Eimern, Schläuchen, Wäschekörben, Getränkekisten und Mülltonnen. 

Einem Bericht des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahre 2015 zufolge, verbrauchen EU-Bürger*innen jedes Jahr mindestens 200 Plastiktüten aus Polyethylen und anderen Kunststoffen. Das Problem dabei ist, dass sie oft nicht wiederverwertet werden und oft unkontrolliert in der Umwelt landen. Ab dem Jahre 2025 sollen Plastiktüten daher vollständig aus dem Handel verschwunden sein.

PP (Polypropylen)

Laut der Verbraucherzentrale enthält PP keine schädlichen Weichmacher und gilt deshalb als weniger gesundheitsschädlich als andere Kunststoffe. Es wird besonders für Verpackungen, etwa für Lebensmittel, verwendet und ersetzt häufig das als schädlich eingestufte Material PVC. Zu Gegenständen, die aus PP hergestellt werden, gehören beispielsweise Kochbeutel, Strohhalme, Joghurtbecher und Flaschenverschlüsse. Aber auch nachhaltigere Produkten, wie Sport- und Outdoorbekleidung, Teppiche, Seile, Kanister, Fahrradhelme oder Kindersitze werden aus PP gefertigt. Ein Vorteil von PP gegenüber anderen Plastikarten ist, dass es sich vergleichsweise gut recyclen lässt. Produkte mit Polypropylen sind erkennbar an ihrem Recyclingcode, dem PP-Kürzel in einem Dreieck aus Recycling Pfeilen mit der Nummer 5. 

Sonderfall Bioplastik

Neben den herkömmlichen Plastikarten aus Erdöl werden seit einigen Jahren auch Alternativen auf pflanzlicher Basis hergestellt, die angeblich biologisch abbaubar sind. Sie werden aus Material wie Maisstärke oder Bambus hergestellt. Der Begriff „Bio“ ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht gesetzlich geschützt. Wenn Plastiktüten, Strohhalme und Einweggeschirr also damit werben, kompostierbar zu sein, bedeutet das nicht automatisch, dass sich das Material innerhalb weniger Wochen im häuslichen Kompost zersetzt. Oft sind für den Prozess spezifische Bedingungen notwendig, die ausschließlich in entsprechenden Anlagen hergestellt werden. Deswegen wird Bioplastik immer wieder kritisiert und stellt bis jetzt noch keine wirklich nachhaltige Alternative zu Plastik aus Erdöl dar. 

Im alltäglichen Gebrauch für uns Konsumenten und Konsumentinnen ist Bioplastik allerdings genau so sicher wie vergleichbare Plastikprodukte. Denn auch Produkte aus biobasiertem und biologisch abbaubarem Kunststoff müssen vor ihrer Marktzulassung in der Europäischen Union (EU) Testverfahren durchlaufen. 

Reduktion von Plastik im Alltag hat Priorität

Obwohl die Verwendung vieler Arten von Standardkunststoff im Alltag für unsere Gesundheit im engeren Sinne unbedenklich ist, sollte die Wirkung auf unsere Umwelt nicht außer Acht gelassen werden. Es ist daher sehr empfehlenswert, Plastikkonsum zu reduzieren, einzelne Produkte wiederzuverwenden und Plastik zu recyceln. 

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